Forschungsprojekte 2020
Trotz der pandemiebedingten Herausforderungen konnten in 2020 zahlreiche innovative Projekte gefördert werden - mit einem Fördervolumen von insgesamt 141.500 Euro.
Innovative Minds Program
Während ihrer Forschungstätigkeit am DZNE entwickeln etliche junge Wissenschaftler*innen interessante Projektideen, die mangels finanzieller Mittel nicht alle umgesetzt werden können. Die DZNE-Stiftung fördert exzellente junge Wissenschaftler*innen, damit sie ihre vielversprechenden Forschungsansätze weiterverfolgen können. Nach vorheriger Teilnahme an einem Workshop, in dem das Rüstzeug für die professionelle Erstellung von Stiftungsanträgen vermittelt wird, können die Teilnehmenden ihren Projektantrag einreichen. Anschließend bewertet ein Expertengremium die Anträge hinsichtlich Innovation, Relevanz und Methodik. Die finale Entscheidung über die Förderung trifft das Kuratorium in seiner jährlichen Sitzung. Die Ausschreibung zum Innovative Minds Program erfolgt einmal im Jahr DZNE-intern.
Aufgrund von Verzögerungen, die durch die Corona-Pandemie verursacht wurden, fand die Kuratoriumssitzung erst im Februar 2021 statt. Von neun eingereichten Anträgen wurden fünf innovative Forschungsvorhaben mit jeweils 10.000€ gefördert.
Am DZNE-Standort Bonn befasste sich Dr. Madhurima Chatterjee (AG Schneider) in ihrem Forschungsprojekt damit, mittels einer neuartigen Methode einen diagnostischen Bluttest zur frühzeitigen Diagnose von Frontotemporaler Demenz (FTD) zu entwickeln. Bislang existierte ein solcher Test noch nicht, weil sich das für FTD kennzeichnende Tau-Protein nicht so leicht im Blut nachweisen lässt.
Ebenfalls am DZNE-Standort Bonn nahm Dr. Stefanie Poll eine wichtige Versorgungsstraße in unserem Gehirn unter die Lupe, die zwei wichtige Hirnregionen miteinander verbindet: den Hippocampus und den sogenannten Locus Caeruleus, eine kleine Hirnregion, die besonders früh und stark von der Alzheimer-Krankheit betroffen ist. Sie untersuchte, wie stark diese Versorgungsstraße bei der Alzheimer-Krankheit beeinträchtigt ist, welche Bedeutung dies für die Lern- und Gedächtnisfunktionen hat und wie man diesen Beeinträchtigungen mit neuen Therapieansätzen entgegenwirken kann. Die Untersuchungen zeigten nun erstmals, dass Axone von Nervenzellen des Hippokampus ihren Ursprung im Locus Coeruleus haben und von der Aß-Plaque Pathologie angegriffen werden. Die Förderung im Rahmen des Innovative Minds Program bedeutete einen Startschuss in die Selbstständigkeit als Forscherin für Stefanie Poll - mittlerweile ist sie Professorin. Mehr über ihren Werdegang berichtet sie im Interview.
Dr. Christian Hoffmann vom DZNE-Standort Berlin erforschte die spezifische Interaktionslandschaft von Alpha-Synuclein, dem Schlüsselprotein der Parkinson-Krankheit, durch einen neuartigen Ansatz aus der synthetischen Biologie. Das Ergebnis dieses einjährigen Projekts ist die Etablierung und Anwendung dieses neuartigen Ansatzes der synthetischen Biologie in Neuronen und Mikroglia im Hinblick auf Fehlfaltung und Aggregation von Proteinen bei neurodegenerativen Erkrankungen.
Fortschritte auf dem Gebiet der Parkinson-Forschung erzielte Dr. Joachim Täger vom DZNE-Standort Tübingen. Er leistete mit einer neuartigen Methode zur Hochdurchsatz-Untersuchung einen Beitrag zur Erforschung der Wirksamkeit von Medikamenten bei Morbus Parkinson, aber auch bei anderen Erkrankungen, bei denen die Aktivierung von zellulärem Stress eine Rolle spielt. Die Methode ermöglicht es, zwei zelluläre Stress-Signalwege gleichzeitig in einer Probe zu analysieren, indem stressinduzierte genetische Elemente mit Enzymen gekoppelt werden, die messbare Lichtsignale erzeugen. Durch die Messung spezifischer Lichtsignale unterschiedlicher Wellenlängen lässt sich nun die Aktivierung dieser Signalwege präzise und effizient nachweisen.
Zur Parkinson-Krankheit forschte auch Dr. Stella Donato am DZNE-Standort Tübingen. Sie klärte die noch unbekannte Rolle der kleinen genetischen Elemente namens miR124 bei der Ansammlung des Protein Alpha-Synuclein. Ziel war es herauszufinden, ob miR124 eine Schutzfunktion bei der Akkumulation von Alpha-Synuclein Aggregaten ausübt. Die Ergebnisse dieses Projekts verbesserten das Verständnis der Rolle von miR124 bei der Alpha-Synuclein Ansammlung.
Technologietransfer
Am DZNE arbeitet eine Reihe von Wissenschaftlern, die ihre Forschungsergebnisse in die medizinische Anwendung bringen möchten. Dazu zählen beispielsweise Programme, Apps und smarte Sensoren, die entweder für eine frühe Diagnose, für die Entwicklung eines Krankheitsverlaufs oder die Identifizierung eines Therapieerfolgs eingesetzt werden könnten. Sofern das Potential eines innovativen Produktes oder Verfahrens klar erkennbar ist und einen großen Nutzen verspricht, fördert die DZNE-Stiftung derartige Innovationen mit einer Anschub- bzw. Brückenfinanzierung. Das DZNE schreibt einmal im Jahr intern die Förderung von Technologietransfer-Projekten aus. Alle wissenschaftlichen Anträge werden von Experten begutachtet. Aus dem Pool der als förderungswürdig eingestuften Projektanträge wählt das Kuratorium in seiner jährlichen Sitzung mindestens ein Projekt aus, das die Stiftung fördert.
Prof. Dr. Thomas Wolbers vom DZNE Magdeburg erhielt 40.000 Euro zur Entwicklung des „DZNE Grid-Task“, eines Virtual-Reality-basierten Verhaltenstests, der Veränderungen im entorhinalen Kortex sichtbar machen soll – einer Hirnregion, die bei der Alzheimer-Erkrankung besonders früh betroffen ist. Mit diesem Ansatz lässt sich das Risiko für Alzheimer deutlich früher erkennen. Eine solche Früherkennung ist entscheidend, weil Medikamente in frühen Stadien wirksamer sind und gezielte Interventionen den Krankheitsverlauf im besten Fall verlangsamen können. In diesem Artikel erfahren Sie mehr über die Funktionsweise des Virtual-Reality-Tests.
Veranstaltungen
Die interne Tagung „Neuroinflammation 2021“ wurde von Prof. Dr. Joachim Schultze vom DZNE Bonn organisiert. Auf der Tagung wurden gemeinsame Ziele von Gruppen am DZNE definiert, die daran interessiert sind, die Forschung zu entzündlichen Prozessen gemeinsam voranzutreiben. Ziel war es, gemeinsame Initiativen zu entwickeln, die eine Brücke zwischen Grundlagen-, Translations- und klinischen Wissenschaften schlagen und sogar klinische Proof-of-Concept-Studien einschließen. Die DZNE-Stiftung förderte die Tagung dank einer großzügige Spende der Deichmann Stiftung mit 20.000 EUR.
Dr. Sonja Teupen vom DZNE Witten rief eine neue Tagungsreihe ins Leben, die das Verständnis von translationaler Forschung im DZNE wecken, qualitative Methoden in der demenzspezifischen Versorgungsforschung weiterentwickeln und ein (inter-)nationales Netzwerks von qualitativ Forschenden im Bereich der demenzspezifischen Versorgungsforschung etablieren soll. Die erste Tagung des MethodenForum DZNE Witten mit dem Titel „Qualitative Forschung mit Menschen mit Demenz – quo vadis?“ fand am 11. und 12. März 2021 statt. Sie wurde mit 7000€ gefördert.
Die interaktive Online-Konferenz „NEURO-Erkrankungen und COVID-19“, initiiert von Dr. Jörg Karenfort, organisiert vom DZNE-Patientenbeirat und der YUVEDO Foundation, fand am 10. Juni 2021 statt. Im Fokus standen die möglichen neurologischen Langzeitfolgen von COVID-19 und der daraus resultierende medizinische, gesellschaftliche und politische Handlungsbedarf. Experten aus Wissenschaft, Medizin, Politik und Selbsthilfe beleuchteten aktuelle Forschungsergebnisse, Versorgungsdefizite und Lösungsansätze. Die Konferenz war mit 74 Teilnehmenden gut besucht und umfasste ein breites Spektrum an Perspektiven, von Betroffenen bis zur Bundespolitik. Die Veranstaltung wurde live via Zoom übertragen und ist weiterhin online zugänglich.
Demenz-Forschungsprojekte
Dr. Miranka Wirth und Dr. Theresa Köbe vom DZNE Dresden wurden mit 14.500€ für die Entwicklung des REMIND-Programms gefördert. Das REMIND-Programm wurde in Zusammenarbeit mit der Tanz- und Bewegungstherapeutin Angela Nicotra (Nicadanza, Berlin) entwickelt.
Tanzen verbindet körperliche, geistige und soziale Aktivität auf einzigartige Weise und bereitet bis ins hohe Alter Freude. Bewegung zur Musik regt Körper, Gehirn und Geist an und kann dazu beitragen, vorzeitiger Alterung und Demenz vorzubeugen. Durch die Verbindung von Musik und Bewegung entsteht ein direkter Zugang zum Gehirn. Das REMIND Programm nutzt diesen Zugang, um Ressourcen für ein geistig gesundes Leben zu fördern und zu erhalten.
Das Trainingskonzept basiert auf aktuellen neurowissenschaftlichen Erkenntnissen und integriert Elemente der Bewegungslehre nach Laban/Bartenieff sowie des Tangos nach Sistema Dinzel. Das Übungsmanual dient als Leitfaden für das Programm zur Gesundheitsförderung und Demenzprävention, vermittelt die Übungsinhalte und gibt didaktische Empfehlungen für die praktische Anwendung.