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Forschungsprojekte 2021

2021 förderte die DZNE-Stiftung vielfältige Projekte mit einem Fördervolumen von insgesamt 130.550 Euro.

Innovative Minds Program

Während ihrer Forschungstätigkeit am DZNE entwickeln etliche junge Wissenschaftler*innen interessante Projektideen, die mangels finanzieller Mittel nicht alle umgesetzt werden können. Die DZNE-Stiftung fördert exzellente junge Wissenschaftler*innen, damit sie ihre vielversprechenden Forschungsansätze weiterverfolgen können. Nach vorheriger Teilnahme an einem Workshop, in dem das Rüstzeug für die professionelle Erstellung von Stiftungsanträgen vermittelt wird, können die Teilnehmenden ihren Projektantrag einreichen. Anschließend bewertet ein Expertengremium die Anträge hinsichtlich Innovation, Relevanz und Methodik. Die finale Entscheidung über die Förderung trifft das Kuratorium in seiner jährlichen Sitzung. Die Ausschreibung zum Innovative Minds Program erfolgt einmal im Jahr DZNE-intern.

Dr. Róisín McManus
Dr. McManus. Foto: DZNE/Kurda

Mit je 10.000€ wurden folgende Projekte von jungen, exzellenten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gefördert:

Dr. Róisín McManus forschte am DZNE Bonn zu den Auswirkungen der Aβ- oder Tau-Exposition auf die metabolische Aktivität von Mikroglia. Sie fand heraus, dass das NLRP3-Inflammasom viele wichtige Signalwege in Mikroglia kontrolliert, die mit ihrer Funktion bei der Alzheimer-Krankheit zusammenhängen. Da es möglich gemacht wurde, Signalwege durch gezielte NLRP3-Hemmung zu modulieren, sind diese Erkenntnisse für Demenzpatienten von Bedeutung, bei denen es derzeit keine Möglichkeit gibt, das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten. In den Folgejahren wurde Dr. McManus aufgrund ihrer hervorragenden Projektideen mehrmals von der DZNE-Stiftung gefördert. Erfahren Sie hier mehr über ihre weiteren Projekte.

Dr. María José Pérez erhielt eine Förderung für die Erforschung der mitochondriale unfolded protein response (UPRmt). Sie entwickelte induzierbares UPRmt-Stammzellmodell, das es erstmals erlaubt, den Prozess der UPRmt unter realistischen Bedingungen im Gehirn zu untersuchen. Die Ergebnisse ihrer Studien zeigten, dass die Untersuchung von UPRmt im Kontext neurodegenerativer Erkrankungen bedeutend ist, da pathologische Prozesse beobachtet werden konnten, die in diesen Störungen entscheidend sind. 

Dr. Paul Feyen (AG Herms)vom DZNE München wurde für sein Projekt zur Entschlüsselung der Astrozyten bei kortikobasaler Degeneration gefördert. Er untersuchte die Rolle von Astrozyten bei sogenannten Tauopathien, einer Gruppe neurodegenerativer Erkrankungen. Dabei zeigte sich, dass die Anhäufung des Tau-Proteins in Astrozyten deren normale Funktion stört und indirekt zum Verlust von Synapsen in Neuronen führt. Auf diese Weise zeigte die Studie, dass die Tau-Akkumulation in Astrozyten kein Endstadium von Tauopathien ist, sondern vielmehr aktiv zum Fortschreiten der Krankheit beiträgt.

Dr. Ana Ortiz-Rodriguez wurde für ein Parkinson-Projekt gefördert, das sie am DZNE Tübingen durchführte. Sie untersuchte die Rolle des Proteins LRRK2, dessen Veränderungen eine häufige Ursache erblicher und ein Risikofaktor sporadischer Parkinson-Erkrankungen sind. Im Fokus von Dr. Ortiz-Rodriquez‘ Forschung stand, wie LRRK2 an Immunreaktionen – etwa bei bakteriellen Infektionen – beteiligt ist und wie diese Prozesse zur Entstehung von Parkinson beitragen können, um ein besseres Verständnis der Krankheitsmechanismen zu gewinnen.

Dr. Qihui Zhou
Dr. Zhou. Foto: DZNE/Frommann

Dr. Qihui Zhou vom DZNE München wurde für ihr Projekt gefördert, in dem sie die Rolle infiltrierender Lymphozyten bei C9orf72-assoziierter Amyotropher Lateralsklerose (ALS) und Frontotemporaler Demenz (FTD) bestimmen wollte. Sie konnte zeigen, dass während der Krankheitsentwicklung vermehrt T-Zellen ins Gehirn einwandern und dort mit Entzündungsprozessen in Verbindung stehen. Durch die Blockade dieser Immunzellen konnte die Neurodegeneration im Labor verlangsamt werden. Auf Grundlage der Daten, die sie durch das Innovative Minds-geförderte Projekte erheben konnte, erhielt sie eine Anschlussförderung den „Starting Grant“ des Europäischen Forschungsrats in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro. Lesen Sie hier mehr über Dr. Zhou und ihre Forschungsprojekte.

Dr. Saskia Kuliga (AG Roes) erhielt eine Förderung für das Forschungsprojekt INCLUDE, welches die Perspektive von Menschen mit Demenz in den Mittelpunkt stellte: Menschen mit Demenz erforschen zusammen mit dem DZNE Witten, wie sie sich in Städten räumlich orientieren und insbesondere, welche räumlichen Faktoren ihr Selbstvertrauen bei der eigenständigen Wegfindung stärken. Basierend auf den gesammelten Erkenntnissen entwickelte die Gruppe ein Werkzeug, das die Planung von Lebensorten für Menschen mit Demenz unterstützt.

Dr. Vasiliki Panagiotakopoulou vom DZNE Tübingen untersuchte die Rolle der Mikrogliazellen – der Immunzellen des Gehirns – bei der Entstehung und dem Fortschreiten von Alzheimer. Mithilfe eines neuen experimentellen Modells wurde erforscht, wie das Mikroglia-Protein TREM2 an der Bildung der typischen Ablagerungen im Gehirn beteiligt ist und wie dieses Wissen genutzt werden kann, um mögliche Alzheimer-Therapien gezielt zu testen.

Ebenfalls wurde ein Alzheimer-Projekt von Dr. Xenia Kobeleva vom DZNE Bonn gefördert. Sie entwickelte ein neuartiges mathematisches Modell, das die Kommunikation zwischen verschiedenen Gehirnnetzwerken beschreibt und mithilfe von Künstlicher Intelligenz vorhersagen kann, wie sich die kognitiven Beeinträchtigungen bei einzelnen Patientinnen und Patienten im Verlauf der Alzheimer-Krankheit entwickeln. Diese Kombination aus Modellierung und KI liefert eine vielversprechende Grundlage für frühere und genauere Diagnosen von Alzheimer. Mittlerweile ist Xenia Kobeleva Professorin für Neuroinformatik an der Ruhr-Universität Bochum.

Technologietransfer

Am DZNE arbeitet eine Reihe von Wissenschaftlern, die ihre Forschungsergebnisse in die medizinische Anwendung bringen möchten. Dazu zählen beispielsweise Programme, Apps und smarte Sensoren, die entweder für eine frühe Diagnose, für die Entwicklung eines Krankheitsverlaufs oder die Identifizierung eines Therapieerfolgs eingesetzt werden könnten. Sofern das Potential eines innovativen Produktes oder Verfahrens klar erkennbar ist und einen großen Nutzen verspricht, fördert die DZNE-Stiftung derartige Innovationen mit einer Anschub- bzw. Brückenfinanzierung. Das DZNE schreibt einmal im Jahr intern die Förderung von Technologietransfer-Projekten aus. Alle wissenschaftlichen Anträge werden von Experten begutachtet. Aus dem Pool der als förderungswürdig eingestuften Projektanträge wählt das Kuratorium in seiner jährlichen Sitzung mindestens ein Projekt aus, das die Stiftung fördert.

Dr. Sabina Tahirovic
Dr. Tahirovic. Foto: DZNE/Frommann

Dr. Sabina Tahirovic und Matthias Prestel vom DZNE München wurden mit 38.550€ für das Projekt zur „Identifikation epigenetischer Biomarker in Blutzellen von Alzheimer-Patienten“ gefördert. Diese Proof-of-Principle-Studie trieb die Entwicklung eines Bluttests voran, mit dem das Risiko zur Ausprägung einer Alzheimer-Erkrankung in einem PCR-Test bestimmt werden kann. Auf Basis der Studienergebnisse konnte anschließend eine Validierungsförderung der Helmholtz-Gemeinschaft eingeworben werden, mit der die Technologie noch weiterentwickelt werden konnte. Mittelfristig ist die Gründung eines Startups geplant, das den Vertrieb des Tests an Praxen ermöglichen soll. 

Veranstaltungen

Dr. Sonja Teupen
Dr. Sonja Teupen. Foto: DZNE/Frommann

Nach der erfolgreichen Durchführung der ersten Tagung in 2021 war nun die Weiterführung der Wittener Tagungsreihe MethodenForum Witten geplant. Dr. Sonja Teupen vom DZNE Witten wurde daher mit 7000€ für das 2. MethodenForum Witten unterstützt. Die zweite Tagung widmete sich der Leitfrage, wie Partizipation von Menschen mit Demenz gelingen kann. 

Demenz-Forschungsprojekte

Dr. McCormick
Foto: Fotostudio Bruder / Armin Höhner

Dr. Dr. Cornelia McCormick, DZNE Bonn, erhielt eine Förderung für ein Projekt zum Zusammenhang zwischen Aphantasie und autobiographischem Erinnerungsvermögen. Das Team untersuchte zunächst das Ausmaß der Aphantasie anhand von Fragebögen und Interviews. Anschließend erinnerten sich die Teilnehmenden an persönliche Ereignisse, während fMRT-Aufnahmen entstanden. DFür die Verschriftlichung von 30 zweistündigen, autobiographischen Interviews wurde Dr. Dr. Cornelia McCormick mit 5000€ unterstützt. Lesen Sie hier das Gespräch mit Dr. McCormick und erfahren Sie, warum die Erkenntnisse der Studie relevant für die Demenzforschung sind.