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Forschungsprojekte 2022

Dank Ihrer Spenden konnten im Jahr 2023 Projekte in Höhe von 339.600 Euro realisiert werden.

Innovative Minds Program

Während ihrer Forschungstätigkeit am DZNE entwickeln etliche junge Wissenschaftler*innen interessante Projektideen, die mangels finanzieller Mittel nicht alle umgesetzt werden können. Die DZNE-Stiftung fördert exzellente junge Wissenschaftler*innen, damit sie ihre vielversprechenden Forschungsansätze weiterverfolgen können. Nach vorheriger Teilnahme an einem Workshop, in dem das Rüstzeug für die professionelle Erstellung von Stiftungsanträgen vermittelt wird, können die Teilnehmenden ihren Projektantrag einreichen. Anschließend bewertet ein Expertengremium die Anträge hinsichtlich Innovation, Relevanz und Methodik. Die finale Entscheidung über die Förderung trifft das Kuratorium in seiner jährlichen Sitzung. Die Ausschreibung zum Innovative Minds Program erfolgt einmal im Jahr DZNE-intern.

Mit je 10.000€ wurden folgende Projekte von jungen, exzellenten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlerin gefördert:

Dr. Masashi Hasegawa vom DZNE Bonn erforschte, warum Menschen mit Alzheimer ihr Arbeitsgedächtnis verlieren – also die Fähigkeit, Informationen kurzfristig zu speichern und zu verarbeiten. Durch ein besseres Verständnis der zugrunde liegenden Veränderungen im Gehirn sollen neue, gezielte Ansätze zur Verbesserung der Gedächtnisleistung entwickelt werden.

Ebenfalls wurde Dr. Alberto Arboit (AG Angenstein) vom DZNE Magdeburg gefördert. Sein Projekt erforscht die Übererregbarkeit von Nervenzellen und die damit zusammenhängenden Veränderungen im Gefäßsystem in bestimmten Gehirnregionenen. Diese treten bereits oft in frühen Stadien der Alzheimer Erkrankung auf. Deshalb stellt die Erforschung der zu Grunde liegenden Vorgänge einen neuen Ansatz für die Früherkennung und mögliche Behandlung von Alzheimer, aber auch von Gefäßstörungen dar.

Dr. Sinead O’Sullivan vom DZNE Bonn erhielt eine Förderung für ein Parkinson-Forschungsprojekt. Das Projekt erforscht, wie das Protein alpha-Synuklein (αSyn) bei der Parkinson-Krankheit Nervenzellen und ihre unterstützenden Immunzellen im Gehirn schädigt. Dabei wird untersucht, wie sich das Protein auf die Aktivität der Gene dieser Zellen auswirkt. Dr. Sullivan erforscht, warum bestimmte Nervenzellen absterben und wie man diesen Prozess künftig aufhalten könnte.

Ebenfalls gefördert wurde Dr. Lucas Secchim Ribeiro (AG Schultze). Sein Forschungsprojekt wird am DZNE Bonn durchgeführt und untersucht, wie Stoffwechselfaktoren wie Blutzucker, Cholesterin und Blutdruck die Aktivierung von Blutplättchen beeinflussen und welche Folgen das für das Immunsystem und altersbedingte Krankheiten hat. Ziel ist es, neue Einblicke in die Rolle der Blutplättchen bei der Entstehung von Entzündungen und altersbedingten Erkrankungen zu gewinnen und damit Grundlagen für zukünftige Therapien und die gezielte Weiterentwicklung bestehender Medikamente zu schaffen.

Dr. Vladislava Segen
Foto: Sarah Kossmann

Dr. Vladislava Segen führte am DZNE Magdeburg das Projekt „VestAge“ durch, ein vestibulärer Ansatz zum Verständnis und zur Behandlung kognitiven Abbaus im Alter. Ein Ziel dabei war es, dem Zusammenhang zwischen altersbedingter vestibulärer Degeneration und räumlicher Navigation zu untersuchen. Dr. Vladislava Segen entwickelte ein Protokoll zum Training der Vestibularfunktion und möchte in Zukunft Interventionen für altersbedingte Gleichgewichtsstörungen untersuchen, um Wege für neue Behandlungen zu ebnen.

Dr. Jessica Wagner vom DZNE Tübingen (AG Neher) möchte ein neues Testverfahren entwickeln, um die molekularen und zellulären Ursachen von Gefäßerkrankungen im Gehirn und deren Zusammenhang mit Alzheimer besser zu verstehen. Durch die Entwicklung eines realitätsnahen Modells von Hirngefäßen sollen künftig neue Krankheitsmechanismen erforscht und Medikamente schneller sowie mit deutlich weniger Tierversuchen getestet werden können.

Technologietransfer

Am DZNE arbeitet eine Reihe von Wissenschaftlern, die ihre Forschungsergebnisse in die medizinische Anwendung bringen möchten. Dazu zählen beispielsweise Programme, Apps und smarte Sensoren, die entweder für eine frühe Diagnose, für die Entwicklung eines Krankheitsverlaufs oder die Identifizierung eines Therapieerfolgs eingesetzt werden könnten. Sofern das Potential eines innovativen Produktes oder Verfahrens klar erkennbar ist und einen großen Nutzen verspricht, fördert die DZNE-Stiftung derartige Innovationen mit einer Anschub- bzw. Brückenfinanzierung. Das DZNE schreibt einmal im Jahr intern die Förderung von Technologietransfer-Projekten aus. Alle wissenschaftlichen Anträge werden von Experten begutachtet. Aus dem Pool der als förderungswürdig eingestuften Projektanträge wählt das Kuratorium in seiner jährlichen Sitzung mindestens ein Projekt aus, das die Stiftung fördert.

Dr. McManus und Prof. Latz
Dr. McManus (Foto: DZNE/Kurda) und Prof. Latz (Foto: DZNE/Frommann)

Dr. Róisín McManus und Prof. Eicke Latz (mittlerweile wissenschaftler Direktor am Deutschen Rheuma-Forschungszentrum) erhielten 40.000€ für ihr Projekt im Rahmen des Technologie-Transfers. Das Team vom DZNE Bonn zeigte, dass die Hemmung des Immunproteins NLRP3 den Energiestoffwechsel von Mikroglia verbessert und deren Fähigkeit stärkt, schädliche Eiweißablagerungen wie Beta-Amyloid abzubauen. Dabei entsteht verstärkt α-Ketoglutarat, ein Stoffwechselprodukt mit möglichem therapeutischem Nutzen. Da sich dieser Effekt auch medikamentös nachahmen lässt, liefert das Projekt wichtige Hinweise darauf, wie sich neue Behandlungsansätze entwickeln könnten. Die Studienergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Immunity veröffentlicht.
Dr. McManus wurde übrigens zum zweiten Mal von der DZNE-Stiftung gefördert. Erfahren Sie in diesem Artikel mehr über sie und ihre Projekte.

ALS-Forschungsprojekte

Der Karin Christiane Conradi Stiftungsfonds für ALS-Forschung wurde von Herrn Erwin V. Conradi im Gedenken an seine verstorbene Frau gegründet, um die ALS-Forschung zu fördern. Auf Wunsch des Stiftungsfondsgründers fördert dieser Stiftungsfonds seit 2022 jährlich ALS-Forschungsprojekte am DZNE mit einem Betrag von bis zu 200.000 €. Ein vierköpfiges internationales Expertengremium begutachtet die Forschungsanträge und empfiehlt dem Stiftungskuratorium ein bis zwei Projekte zur Förderung.

Prof. Dieter Edbauer
Prof. Edbauer. Foto: DZNE/Frommann

Dr. Jorge Garcia Morato vom DZNE Tübingen wurde über zwei Jahre mit 92.500€ für seine Forschung zu ALS gefördert. In seinem Projekt widmete er sich der Identifizierung von RNAs, die die TDP-43-Proteinopathie bei Amyotropher Lateralsklerose und Frontotemporaler Demenz beeinflussen.

Ebenfalls wurde Prof. Dr. Dieter Edbauers Forschungsprojekt zur Förderung ausgewählt. Der Wissenschaftler vom DZNE München wurde über zwei Jahre mit 100.000€ gefördert. Das Projekt widmete sich der gezielten Beeinflussung von Transkription und DNA-Reparatur an der (G4C2)n-Repeat-Expansion zur therapeutischen Intervention bei C9orf72-ALS.

Demenz-Forschungsprojekte

Dr. Miranka Wirth
Dr. Wirth. Foto: DZNE/Frommann

Die Arbeitsgruppe „Gehirn und Resilienz“ unter der Leitung von Dr. Miranka Wirth, DZNE Dresden, wurde mit 12.500€ gefördert. Die Arbeitsgruppe erforscht die digitale Intervention „REMINDer“ zur Gesundheitsförderung im Alter und Demenzprävention. Das Online-Übungsprogramm basiert auf dem zuvor entwickelten REMIND-Programm und verbindet Musik, Tanz und Achtsamkeit, um Körper, Gehirn und Geist gleichzeitig zu aktivieren. Ziel ist es, das Wohlbefinden und die mentale Gesundheit älterer Menschen ganzheitlich und nachhaltig zu stärken.In der REMINDer Studie nahmen zwei Gruppen von älteren Menschen aus ganz Deutschland nacheinander per Videokonferenz an dem sechswöchigen Übungsprogramm teil. Sie wurden von zertifizierten Trainerinnen angeleitet und jeweils vor und nach der Intervention untersucht. Die Ergebnisse zeigen eine hohe Akzeptanz, Sicherheit und gute Durchführbarkeit der digitalen Intervention. Körperliches und geistiges Wohlbefinden veränderte sich in dieser Pilotstudie nicht. Umfangreichere Folgestudien untersuchen REMINDer als kreativen, alltagsnahen, und breit anwendbaren Ansatz zur digitalen Demenzprävention.

Dr. Francisca Rodriguez vom DZNE Greifswald erhielt 27.600€ für die Entwicklung einer Checkliste von Demenz-Risikofaktoren, um diese als Screening-Instrument in Hausarztpraxen verwenden zu können. Bei der Checkliste handelt es sich um ein Selbstvervollständigungsfragebogen für Patienten. Das Ziel des Projekts war es, das optimale Design einer solchen Checkliste zu erarbeiten sowie Barrieren bei der Implementierung einer solchen Screening-Checkliste in die täglichen Abläufe einer Hausarztpraxis zu ermitteln. Die Checkliste wird zukünftig Grundlage für gezielte Interventionen sein (z.B. Empfehlungen durch den Hausarzt, Einschluss in Präventionsmaßnahmen oder Studien).

Außerprogrammatische Projektförderungen

Dr. McCormick
Foto: Fotostudio Bruder / Armin Höhner

Dr. Dr. Cornelia McCormick, DZNE Bonn, erhielt eine Anschubfinanzierung von 6.000 € für ihre Studie „Autobiographisches Gedächtnis in blinden Menschen“. Die Studie identifizierte Verhaltens- und neuronale Unterschiede beim Abruf autobiographischer Erinnerungen zwischen von-Geburt-an-Blinden, später-Erblindeten und sehenden Personen. Dank der Unterstützung der DZNE-Stiftung konnte die Forschungsgruppe ein MRT-taugliches Audiosystem anschaffen, mithilfe dessen die blinden Studienteilnehmer Erinnerungsimpulse hören konnten. Erfahren Sie im Interview mit Dr. Dr. McCormick, warum die Ergebnisse dieser Studie interessant für die Demenzforschung sind.

Best Paper Award des DZNE München

Dank einer zweckgebundenen Spende über 5.000 € gibt es seit 2022 den Forschungspreis Best Paper Award für Forschende des DZNE München. 1000€ erhält der Autor oder die Autorin der besten wissenschaftlichen Veröffentlichung. 

Best Paper Award 2022. V.l.n.r. Standortsprecher Prof. Christian Haass, Preisträgerin Garyfallia Gouna und Gruppenleiter Prof. Mikael Simons.
Best Paper Award 2022. V.l.n.r. Standortsprecher Prof. Christian Haass, Preisträgerin Garyfallia Gouna und Gruppenleiter Prof. Mikael Simons. Foto: DZNE/Bimüller

Die Preisjury für das Jahr 2022 bestand aus Prof. Schultze (DZNE Bonn), Prof. Kempermann (DZNE Dresden) und Prof. Haass (DZNE München). 

Überzeugen konnte schließlich Dr. Garyfallia Gouna mit ihrem Paper „TREM2-dependent lipid droplet biogenesis in phagocytes is required for remyelination“, das im Journal of Experimental Medicine publiziert wurde. Dr. Gounas Arbeit liefert neue Erkenntnisse darüber, wie das Gehirn sich nach Schädigungen selbst repariert – etwa bei Erkrankungen wie Multipler Sklerose. Sie konnte zeigen, dass spezialisierte Immunzellen im Gehirn, sogenannte Mikroglia, während der Reparatur sogenannte Lipidtröpfchen bilden. Diese Fettspeicher helfen, Entzündungen zu begrenzen und beschädigte Strukturen zu entsorgen. Entscheidend für diesen Prozess ist das Protein TREM2 – ein möglicher neuer Ansatzpunkt für zukünftige Therapien.