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Forschungsprojekte 2023

Im Jahr 2023 konnten Projekte sowie Reisestipendien in Höhe von insgesamt 487.345 Euro vergeben werden.

Innovative Minds Program

Während ihrer Forschungstätigkeit am DZNE entwickeln etliche junge Wissenschaftler*innen interessante Projektideen, die mangels finanzieller Mittel nicht alle umgesetzt werden können. Die DZNE-Stiftung fördert exzellente junge Wissenschaftler*innen, damit sie ihre vielversprechenden Forschungsansätze weiterverfolgen können. Nach vorheriger Teilnahme an einem Workshop, in dem das Rüstzeug für die professionelle Erstellung von Stiftungsanträgen vermittelt wird, können die Teilnehmenden ihren Projektantrag einreichen. Anschließend bewertet ein Expertengremium die Anträge hinsichtlich Innovation, Relevanz und Methodik. Die finale Entscheidung über die Förderung trifft das Kuratorium in seiner jährlichen Sitzung. Die Ausschreibung zum Innovative Minds Program erfolgt einmal im Jahr DZNE-intern.

Dr. Iris Blotenberg
Dr. Blotenberg. Foto: Maria Herzog

Mit je 10.000€ wurden die sechs folgenden Projekte von jungen, exzellenten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gefördert:

Dr. Iris Blotenbergs Projekt bringt das stetig wachsende Wissen zur Demenzprävention in die Praxis. Ihr Ansatz zielt auf die Entwicklung eines Programms zur Förderung der Gehirngesundheit und sozialer Kontakte in der Modellregion Greifswald. Damit wird ein wichtiger Grundstein gelegt, um möglichst viele Menschen von Erkenntnissen der Forschung zur Demenzprävention profitieren zu lassen. Aktuell ist Dr. Blotenberg Teil eines Forschungsprojekts zur Alzheimerdiagnostik an am renommierten Brigham and Women’s Hospital der Harvard Medical School. Erfahren Sie hier mehr über ihre herausragende Karriere.

Dr. Carla Marcia Cangalaya Lira (AG Dityatev) vom Standort Magdeburg untersucht die gestörte Kommunikation zwischen Mikroglia und Neuronen bei der Alzheimer Erkrankung. Dafür nutzt sie menschliche induzierte pluripotente Stammzellen (iPSCs) als vielversprechendes Modell eines menschlichen Gehirns. Ziel ist es, zur Entwicklung von Medikamenten beizutragen, die den Verlust von Synapsen bei Alzheimer Patienten verhindern können.

Dr. Nadine Strempel vom DZNE Berlin arbeitet an einer möglichen zellbasierten Therapie für die MOG-Antikörper assoziierte Erkrankung. Bei dieser Autoimmunerkrankung wird das zentrale Nervensystem geschädigt, eine Therapie gibt es bisher nicht. Ihr Forschungsansatz verfolgt das Ziel, die fehlende Immuntoleranz mit Hilfe eigener dendritischer Zellen aus dem Blut von Patienten wiederherzustellen. 

Dr. Helena Gellersen (AG Berron) vom DZNE Magdeburg entwickelt neue kognitive Tests zur Früherkennung der Alzheimer Erkrankung. Diese sind den Gedächtnisanforderungen im alltäglichen Leben ähnlicher als die derzeit in der Klinik verwendeten Tests. Sie möchte herauszufinden, ob diese Gedächtnisaufgaben präklinische Anzeichen der Erkrankung in einem frühen Stadium erkennen können, in dem Individuen Alzheimer-Pathologie aufweisen, jedoch noch keinen signifikanten Gedächtnisverlust erleben. Diese Erkenntnisse sind entscheidend für die Entwicklung kognitiver Tests zur Früherkennung von Gedächtnisveränderungen im präklinischen Alzheimer Stadium, in dem eine Behandlung noch möglich ist.

Dr. Natalia Favila Vazquez aus Bonn untersucht, wie das komplizierte Zusammenspiel der Neurotransmitter Acetylcholin und Dopamin die Parkinson Erkrankung beeinflusst. Dazu nutzt sie ein Mausmodell, welches das Frühstadium der Parkinson Erkrankung nachahmte, um neue therapeutische Wege aufzuzeigen. 

Dr. Xidi Yuan (AG Neher) vom Standort München erforschte anhand induzierter pluripotenter Stammzellen, wie das Immungedächtnis menschlicher Mikroglia reguliert ist. Die Erkenntnisse trugen dazu bei, den negativen Einfluss von Infektionen auf neurologische Erkrankungen zu verhindern. 

Technologietransfer

Am DZNE arbeitet eine Reihe von Wissenschaftlern, die ihre Forschungsergebnisse in die medizinische Anwendung bringen möchten. Dazu zählen beispielsweise Programme, Apps und smarte Sensoren, die entweder für eine frühe Diagnose, für die Entwicklung eines Krankheitsverlaufs oder die Identifizierung eines Therapieerfolgs eingesetzt werden könnten. Sofern das Potential eines innovativen Produktes oder Verfahrens klar erkennbar ist und einen großen Nutzen verspricht, fördert die DZNE-Stiftung derartige Innovationen mit einer Anschub- bzw. Brückenfinanzierung. Das DZNE schreibt einmal im Jahr intern die Förderung von Technologietransfer-Projekten aus. Alle wissenschaftlichen Anträge werden von Experten begutachtet. Aus dem Pool der als förderungswürdig eingestuften Projektanträge wählt das Kuratorium in seiner jährlichen Sitzung mindestens ein Projekt aus, das die Stiftung fördert.

Prof. Dieter Edbauer
Foto: DZNE/Frommann

In Europa tragen etwa 10% der Patienten mit Amyotropher Lateralsklerose (ALS) und Frontotemporaler Demenz (FTD) eine Mutation im Gen C9orf72. In seinem mit 100.000€ geförderten Projekt arbeitete Prof. Dieter Edbauer an einer Modifizierung des Krebsmedikaments Decitabin, welches früh in die Krankheitsmechanismen eingreifen kann, dessen Nebenwirkungen aber einen langfristigen Einsatz verhindern. Die Erkenntnisse, die Prof. Edbauer vom DZNE München in diesem Projekt erlangte, führten zu weiteren Vorhaben: Auf Basis der Ergebnisse dieses Projekts konnte er 2025 einen Advanced Grant in Höhe von 2,5 Millionen Euro vom Europäischen Forschungsrat (ERC) einwerben.

Veranstaltungen

Dr. Stefan Hauser
Dr. Hauser. Foto: DZNE/Schaedle

Die Winterschool-Tagung in Tübingen fand im März 2024 statt. Sie wurde von jungen Nachwuchswissenschaftlern rund um Gruppenleiter Dr. Stefan Hauser organisiert und befasste sich mit der Bedeutung der Stammzellforschung für die Neurowissenschaften. Stammzellbasierte zelluläre Modelle werden künftig eine bedeutende Rolle in der Erforschung sowie der Therapieentwicklung spielen. Die Tagung wurde mit 17.345€ gefördert und stimulierte die Vernetzung von nationalen und internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. 

ALS-Forschungsprojekte

Der Karin Christiane Conradi Stiftungsfonds für ALS-Forschung wurde von Herrn Erwin V. Conradi im Gedenken an seine verstorbene Frau gegründet, um die ALS-Forschung zu fördern. Auf Wunsch des Stiftungsfondsgründers fördert dieser Stiftungsfonds seit 2022 jährlich ALS-Forschungsprojekte am DZNE mit einem Betrag von bis zu 200.000 €. Ein vierköpfiges internationales Expertengremium begutachtet die Forschungsanträge und empfiehlt dem Stiftungskuratorium ein bis zwei Projekte zur Förderung.

Prof. Dieter Edbauer
Prof. Edbauer. Foto: DZNE/Frommann

Die meisten Patienten mit Amyotropher Lateralsklerose (ALS) und Frontotemporaler Demenz (FTD) haben abnorme Proteinaggregate von TDP-43 im Gehirn. Genetische Varianten von TMEM106B schützen vor FTD und kognitivem Abbau bei ALS. Um den Schutzmechanismus therapeutisch nutzen zu können, untersuchten Prof. Dieter Edbauer und sein Team vom DZNE München die Verbindung zwischen TMEM106B und TDP-43 Aggregation. Das Projekt wurde mit 100.000€ gefördert.

Ebenfalls 100.000€ erhielt Dr. Ekaterina Friebel vom DZNE Berlin für ihr zweijähriges Forschungsprojekt zur Erforschung von Neuroinflammation bei ALS-Patienten. Die Neuroinflammation ist eine wichtige pathologische Komponente, die in der jüngeren Vergangenheit im Kontext zahlreicher neurodegenerativer Erkrankungen jenseits der ALS analysiert wurde. Das Wissenschaftsteam ging davon aus, dass die Detailuntersuchung des zellulären Mikromilieus auf Basis einer Inflammations-Perspektive zu einem deutlich besseren Verständnis des Krankheitsverlaufs der ALS führen wird. Es wurde eine detaillierte Analyse der Gen- und Proteinexpressionen durchgeführt, um ein genaues Bild der Komposition und Interaktion der Zellen im zentralen Nervensystem von Gewebeproben sporadischer und familiärer ALS-Patientinnen und Patienten zu erhalten. 

Prof. Tobias Böckers
Foto: DZNE/Frommann

Das mit 100.000 Euro geförderte Projekt untersuchte menschliche Peptid-Libraries, um neue Moleküle gegen das Fortschreiten von ALS zu identifizieren. Das Team um Prof. Tobias Böckers zeigte, dass das Protein SHANK3 nicht nur das Gehirn, sondern auch muskelzellensteuernde Motoneuronen betrifft, und fand Veränderungen der weißen Hirnsubstanz bei Menschen mit dem Phelan-McDermid-Syndrom. Die Ergebnisse eröffnen neue Ansätze für Therapien und das Verständnis neurodegenerativer Erkrankungen.

 

Best Paper Award des DZNE München

Dank einer zweckgebundenen Spende über 5.000 € gibt es seit 2022 den Forschungspreis Best Paper Award für Forschende des DZNE München. Je 500€ erhielten die Autoren der besten wissenschaftlichen Veröffentlichung.

Best Paper Award 2023. V.l.n.r.: Standortsprecher Prof. Christian Haass, Preisträger Dr. Jonathan Voeglein und Preisträger Karsten Nalbach
Best Paper Award 2023. V.l.n.r.: Standortsprecher Prof. Christian Haass, Preisträger Dr. Jonathan Voeglein und Preisträger Karsten Nalbach. Foto: DZNE/Bimüller

Den mit jeweils 500€ dotierten Preis für die beste Publikation erhielt PD Dr. Jonathan Vöglein (AG Levin) für den Fachartikel „Pattern and implications of neurological examination findings in autosomal dominant Alzheimer disease”, erschienen in der Zeitschrift „Alzheimer’s & Dementia“. Der Artikel untersucht, welche typischen Befunde bei neurologischen Untersuchungen von Menschen mit erblich bedingter Alzheimer-Krankheit auftreten und welche Bedeutung oder Konsequenzen diese Muster für das Verständnis oder die Behandlung der Erkrankung haben könnten.

Ebenfalls für die beste Publikation und mit 500€ ausgezeichnet wurde Dr. Karsten Nalbach (AG Lichtenthaler) für den Fachartikel „Spatial proteomics reveals secretory pathway disturbances caused by neuropathy-associated TECPR2“, der in „Nature Communications“ erschienen ist. Der Artikel zeigt mithilfe moderner Zellforschung, dass das Eiweiß TECPR2 – das bei bestimmten Nervenerkrankungen eine Rolle spielt – den Transport von Eiweißen in Zellen stören kann.

Reisestipendien

Die Präsentation eigener Forschungsergebnisse und der Austausch von Ideen auf wissenschaftlichen Konferenzen sind für Nachwuchswissenschaftler von besonderer Bedeutung, um ihr berufliches Netzwerk zu erweitern und Kooperationsmöglichkeiten zu schaffen. Die DZNE Stiftung bietet daher Reisestipendien für Doktorandinnen und Postdocs am DZNE an, deren Reisekosten nicht aus Haushaltsmitteln des DZNE erstattet werden können.

Folgende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des DZNE erhielten 2023 einen Reisekostenzuschuss in Höhe von 500€:

Hannah Baumeister, Jonas Marquardt. Matthieu Bernard, Dr. Olga Klein, Dr. Jorge Garcia Morato, Dr. Joanne Falck, Dr. Rita Pinto-Costa, Dr. Roísín McManus, Dr. Iris Blotenberg, Elena Rakusa, Angela Rollar, Dr. Sinead O’Sullivan, Elena Doering, Nina Sofia Hermann, Jannis Bastian Spintge, Ziyan Huang, Dr. Moritz Platen, Mónica Ferreira.