Forschung ist das A&O im Kampf gegen Demenz
Detlef Steves, bekannt aus TV-Sendungen wie Hot oder Schrott oder Let's Dance, kennt das Thema Demenz nicht nur aus den Medien, sondern aus seinem eigenen familiären Umfeld: Seine Mutter war selbst betroffen. Diese Erfahrung hat ihn geprägt – und sie ist der Grund, warum er sich heute als Botschafter für die DZNE-Stiftung engagiert. Mit seiner direkten Art bringt er auf den Punkt, worum es ihm geht: „Forschung ist bei Demenz das A&O. Demenz ist eine Krankheit, die immer mehr um sich greift und es ist unabdingbar zu forschen, um dagegen zu wirken.“ Sein Anliegen ist es, die Krankheit stärker ins Bewusstsein der Gesellschaft zu rücken, Betroffene und Angehörige zu unterstützen und vor allem die Forschung voranzubringen. Denn nur mit wissenschaftlichem Fortschritt lassen sich wirksame Therapien entwickeln und Perspektiven für die Zukunft schaffen.
Was hat Sie persönlich dazu bewegt, Botschafter unserer Stiftung zu werden?
Ich finde es unglaublich wichtig, mehr Aufmerksamkeit auf das Thema Demenz zu lenken. Diese Krankheit betrifft so viele Menschen, aber sie bekommt in der Öffentlichkeit längst nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdient.
Haben Sie eine persönliche Geschichte im Zusammenhang mit Demenz, die Sie mit uns teilen möchten?
Ja, meine Mutter war an Demenz erkrankt. Für mich war das eine sehr schwere Zeit. Es ist unfassbar schmerzhaft, den Menschen, der einen ein Leben lang begleitet und beschützt hat, in einem solchen geistigen Verfall zu erleben.
Was würden Sie aus Ihrer Erfahrung heraus sagen: Womit ist es Ihnen persönlich gelungen, Ihre Mutter noch zu erreichen?
Mit Spaß! Ich habe mit meiner Mutter immer viel Quatsch gemacht. Wir haben gelacht, gesungen, getanzt – einfach Spaß gehabt. Und genau da hab‘ ich gemerkt: Da ist sie noch, irgendwo tief drin. Man muss sich drauf einlassen, nicht alles ernst nehmen, einfach machen.
Wie haben Sie diese Erkrankung erlebt? Was würden Sie aus Ihrer Erfahrung anderen mitgeben wollen, die am Anfang stehen mit einem betroffenen Elternteil?
Ich sag’s, wie’s ist: Die Krankheit ist brutal. Du kannst dich da nicht drauf vorbereiten. Es gibt keinen Plan, kein Rezept. Du musst jede Phase so nehmen, wie sie kommt – und dabei darfst du dich selbst nicht verlieren. Wichtig ist: Jeder Fall ist anders. Das muss man verstehen und akzeptieren. Mein wichtigster Rat wäre: Nehmt jede Phase so an, wie sie kommt. Es gibt leider keinen universellen Schlüssel, der alles leichter macht. Aber es hilft, wenn man akzeptiert, dass es ein individueller Weg ist – voller Höhen und Tiefen.
Inwiefern hat die Krankheit Ihrer Mutter auch Ihr Leben verändert?
Sie hat meinen Blick auf das Leben verändert. Ich schätze jeden gesunden Tag heute viel mehr als früher. Ich bin dankbar für jeden Tag, an dem ich gesund bin – und für jeden, der’s auch ist. So ‘ne Krankheit zeigt dir, wie schnell alles anders sein kann.
Was wünschen Sie sich von der Gesellschaft im Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen?
Ich wünsche mir, dass die Leute besser hinhören und hingucken. Wenn ein älterer Mensch verwirrt wirkt, dann geh‘ halt mal hin, frag, ob alles okay ist. Und ja, viele Betroffene versuchen, ihre Demenz zu verstecken – das machen die ganz geschickt. Also: Mit Respekt und Gefühl rangehen, nicht gleich urteilen.
Was wünschen Sie sich in Bezug auf die Forschung?
Ich hoffe sehr, dass in der Forschung deutlich mehr passiert. Unsere Gesellschaft wird immer älter, und damit steigt auch die Zahl der Menschen mit Demenz, Parkinson oder Alzheimer. Wir brauchen dringend neue Erkenntnisse, neue Therapieansätze – und langfristig natürlich die Hoffnung auf Linderung oder sogar Heilung. Die Forschung ist dafür der einzige Weg.
Portrait Detlef Steves: Nicole Müller