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Portrait Martin Rütter

Martin Rütter

Botschafter der DZNE-Stiftung

Demenz verstehen, Betroffene stärken, Würde bewahren

Martin Rütter, bekannt als Hundetrainer, Moderator und Bestseller-Autor, ist einem Millionenpublikum als „Hundeprofi“ vertraut. Doch sein Engagement reicht weit über die Welt der Vierbeiner hinaus: Mit sehr persönlichen Erfahrungen als Sohn einer an frontotemporaler Demenz erkrankten Mutter setzt er sich als Botschafter der DZNE-Stiftung für Aufklärung und Unterstützung ein. Im Interview spricht er darüber, wie die Diagnose sein Verhältnis zur Mutter verändert hat, welche Rolle Hunde für Menschen mit Demenz spielen können – und warum er allen Betroffenen rät, frühzeitig Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Was hat Sie dazu bewegt, Botschafter unserer Stiftung zu werden? 

Meine persönliche Geschichte. Durch die Demenzerkrankung meiner Mutter habe ich mich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und gelernt, wie wichtig Aufklärungsarbeit beim Thema Demenz ist. Dazu möchte ich meinen Beitrag leisten. 

Haben Sie eine persönliche Geschichte im Zusammenhang mit Demenz, die Sie teilen möchten?

Es gibt viele Geschichten, die ich erzählen könnte. Meine Mutter litt an einer sehr seltenen Form der Demenz, der sogenannten frontotemporalen Demenz. Dabei sind zuerst die Frontallappen betroffen, die für die soziale Kompetenz zuständig sind. Diese Demenz beginnt bei sehr jungen Menschen im Alter von 30 Jahren. Meine Mutter muss diese Krankheit schon lange gehabt haben, aber wir wussten es nicht. Das heißt, meine Mutter hat sich ihr ganzes Leben lang sozial unangemessen verhalten. Das war oft sehr schlimm für mich und als Jugendlicher eine echte Katastrophe. Erst als ich mich ernsthaft mit ihrer Erkrankung beschäftigt habe, konnte ich sie plötzlich verstehen.

Wie haben Sie die Demenzerkrankung erlebt? 

Meine Mutter hat sich später sehr massiv und radikal verändert. Sie wurde von einem total extrovertierten zu einem introvertierten Menschen. Von daher kann man sagen, dass eine völlige Veränderung der Persönlichkeit stattgefunden hat.

Was würden Sie aus Ihrer Erfahrung anderen mitgeben wollen, die am Anfang stehen mit einem betroffenen Elternteil?

Das ist natürlich sehr individuell. Als ganz wichtig empfinde ich es aber, nicht zu zögern, wenn es darum geht, professionelle Hilfe zu suchen! Das ist meine Kernbotschaft.

Inwieweit hat die Krankheit Ihrer Mutter auch Ihr Leben verändert?

Natürlich hat die Krankheit meiner Mutter mein Leben geprägt. Ich kann aber für mich sagen, dass sich das Verhältnis ab dem Moment, wo ich die Diagnose kannte, durch die Bank weg positiv verändert hat, weil ich im Grunde ab da viel mehr Verständnis für sie hatte und viel besser auf sie eingehen konnte. Natürlich wünscht man sich jetzt nicht, dass die Mutter eine solche Diagnose bekommt, aber ich habe das Gefühl, dass uns die Demenz eher zusammengeschweißt hat.

Was würden Sie als Hundetrainer aus Ihrer Erfahrung heraus sagen: Ist es möglich, Demenzpatienten mit Hunden zu erreichen?

Auf jeden Fall ist das möglich. Ich habe oft erlebt, dass Demenzpatienten plötzlich wissen: Jeden Montag um 16 Uhr kommt ein Hund – dann bewaffnen sie sich schon mit Leckerlis. Hunde können wirklich extrem helfen. 

Was möchten Sie in Ihrer Rolle als Botschafter bewirken?

Ich möchte den Menschen zeigen, dass sie mit der Krankheit nicht allein sind und es gute Hilfsangebote gibt. 

 

Portrait Martin Rütter: Alex Stiebritz