Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, Mitglied im Kuratorium der DZNE-Stiftung
Rainer Lüdtke
"Jetzt handeln heißt Chancen wahrnehmen! Für uns selbst und für unserer Mitmenschen!"
Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, Mitglied im Kuratorium der DZNE-Stiftung
"Jetzt handeln heißt Chancen wahrnehmen! Für uns selbst und für unserer Mitmenschen!"
Herr Lüdtke, warum ist die Arbeit dieser Stiftung so wichtig?
Vor 50 Jahren standen die industriellen westlichen Gesellschaften vor einer großen Herausforderung: Ein Großteil der Menschen verstarb an Krankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Krebs. Heute versterben zwar immer noch Menschen an diesen Erkrankungen, doch die Chancen auf Heilung sind ungleich größer. Die gesundheitlichen Dämonen der Mitte des 19. Jahrhunderts haben einen Teil ihres Schreckens verloren. Warum? Weil wir mit enormen finanziellen und personellen Anstrengungen in Wissenschaft und Forschung investiert, Krankheitsursachen im Detail aufgeklärt, Risikofaktoren identifiziert und Therapien verbessert oder ganz neu erfunden haben.
Heutzutage sind es vor allem die neurodegenerativen Erkrankungen, die unser Leben und unsere Gesundheit bedrohen. Alzheimer-Demenz, Parkinson oder ALS können jeden von uns treffen, und sie werden viele von uns treffen. Daher sollten wir auch heute wieder größtmögliche Anstrengungen unternehmen, um die Schrecken der Zukunft zu mildern und die aktuellen Dämonen zu bezwingen. Geld in Wissenschaft und Forschung zu stecken, ist der mit weitem Abstand beste Ansatz dafür, dass uns das gelingen wird.
Auch wenn es Rückschläge geben wird: Das DZNE und die DZNE-Stiftung stehen dafür, dass wir in den nächsten Jahren echte und immer bessere Optionen entwickeln, neurodegenerative Erkrankungen frühzeitig zu erkennen, ihre Verläufe zu lindern und schließlich sogar die Krankheiten zu heilen. Jeder in Wissenschaft und Forschung investierte Euro wird sich langfristig für uns alle auszahlen.
Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen im Umgang mit Demenz, Parkinson und ALS – gesellschaftlich oder wissenschaftlich?
Wissenschaftlich sollten wir uns aus meiner Sicht noch mehr um die Mechanismen kümmern, die zur Entstehung der Erkrankungen führen. Was genau passiert in jeder einzelnen Körperzelle, welche Prozesse führen zur Entstehung der Erkrankung, welche sind dafür verantwortlich, dass sie immer weiter fortschreitet? Nur wenn wir auf der Ebene der Zelle aufgeklärt haben, was passiert, haben wir eine Chance, den erkrankten Menschen zu helfen. Das ist ein langer und steiniger Weg, der aber – Gott sei Dank – ja schon beschritten wird.
Gesellschaftlich müssen wir uns der Frage nach der Pflege und Betreuung von Schwerkranken stellen. Wie können wir Ressourcen mobilisieren, um auch Menschen mit schweren Einschränkungen ein lebenswertes und würdevolles Leben zu ermöglichen?
In welche Bereiche muss mehr investiert werden, um insbesondere die Herausforderungen rund um Demenz in den Griff zu bekommen?
Investieren sollten wir vor allem in die Grundlagenforschung. Das verspricht auf Dauer die größten Erfolge.
Welche Botschaft haben Sie für unsere Spenderinnen und Spender?
Wenn wir jetzt kein Geld in die Hand nehmen, um neue Therapien und Herangehensweisen zu entwickeln, werden wir es alle in einigen Jahren bereuen – als Gesellschaft und viele von uns auch am eigenen Leibe. Oder positiv gewendet: Jetzt handeln heißt Chancen wahrnehmen! Für uns selbst und für unserer Mitmenschen!
Bildquelle: Sven Lorenz