Engagement für Aufklärung und Entstigmatisierung
Sabine Vitua ist einem breiten Publikum als Schauspielerin aus Film und Fernsehen bekannt – unter anderem aus Produktionen wie Der letzte Bulle oder Pastewka. Neben ihrer erfolgreichen Karriere engagiert sie sich seit 2023 auch als Botschafterin für die DZNE-Stiftung. Beweggrund dafür war ihre Teilnahme an der “Bademantelchallenge” zum Weltalzheimertag 2023, doch ihr Engagement reicht weit darüber hinaus: In sehr persönlichen Worten erzählt sie von den Erfahrungen mit ihrer an Demenz erkrankten Mutter, von Herausforderungen und liebevollen Momenten – und warum ihr Aufklärung und Entstigmatisierung so wichtig sind.
Sie sind Botschafterin der DZNE-Stiftung - was hat Sie zu diesem Engagement bewegt?
Die Bademantelchallenge der DZNE-Stiftung zum Weltalzheimertag im September 2023 hat den ausschlaggebenden Impuls gegeben. Menschen im Bademantel an öffentlichen Orten. Diese Aktion, die hauptsächlich über die sozialen Netzwerke verbreitet wurde, hat die Orientierungslosigkeit und Verwundbarkeit der Demenzkranken klar und sehr berührend aufgezeigt. Ich selbst habe an dieser Aktion teilgenommen und dazu beigetragen, sie bekannt zu machen, weil mir das ein wichtiges Anliegen war.
Auch Ihre Mutter war an Demenz erkrankt. Welche Erinnerung an gemeinsame Momente ist Ihnen besonders nah geblieben?
Meine demente 85-jährige Mutter und ich haben mit bunten Schokoladentieren gespielt, haben Gruppierungen gebildet, mal über dieselben Farben oder dieselben Arten und wir haben Geschichten dazu erfunden über Liebe und Freundschaften oder Vorlieben. Wir waren dabei sehr glücklich.
Wie haben Sie die Demenzerkrankung Ihrer Mutter erlebt und wie konnten Sie mit der Erkrankung Ihrer Mutter umgehen?
Am Anfang gab es bei meiner Mutter plötzlich eine große ungewohnte Aggression. Anderen wurde die Zunge rausgestreckt. Ich habe mich geschämt und meine Mutter gemaßregelt. Zunächst habe ich nicht verstanden, dass sie sich bedroht fühlte. Später habe ich mich bei den Menschen entschuldigt und gesagt, dass sie krank ist. Es ist wichtig, liebevoll zu bleiben. Ich habe ihr schöne Dinge gezeigt, eine besondere Wolke oder eine interessante Blume, um ihrer Angst etwas entgegenzusetzen.
Wie hat die Krankheit Ihrer Mutter auch Ihr Leben verändert?
Meine Mutter war immer mein Fels in der Brandung. Sie war klug, stark, humorvoll, unkonventionell. Sie hat mir sehr viel Halt und Liebe gegeben. Plötzlich musste ich diese Gaben übernehmen. Wir haben die Rollen getauscht, sie wurde mein Kind, das ich schützen musste. Ich wollte das erst nicht und habe mir das auch nicht zugetraut. Aber alles stand unter der Prämisse: Meine Mutter soll keine Angst haben. Ich bin viel in den Wald gegangen und habe geschrien vor Verzweiflung und Überforderung.
Warum ist es wichtig, offen mit einer Demenzerkrankung umzugehen – auch dann, wenn man in der Öffentlichkeit steht?
Unsere Welt ist gerade nicht besonders freundlich zu unseren Schwachen und Kranken. Deswegen finde ich es umso wichtiger, dass die Demenzkranken nicht stigmatisiert werden. Dass sich keiner schämen muss, weder der Erkrankte noch seine Angehörigen.
Was wünschen Sie sich als Botschafterin der DZNE-Stiftung im gesellschaftlichen Umgang mit Menschen mit Demenz?
Ich möchte nicht, dass Demenz als Horrorszenario wahrgenommen wird und so im Grunde nur noch verdrängt werden kann. Dazu bedarf es Aufklärung über diese Krankheit, die ja sehr vielfältig verläuft. Ich wünsche mir, dass die Erkrankten ihre Würde behalten. Kein Mensch ist nur seine Krankheit. Und es braucht Unterstützung, Verständnis und Weiterbildung für die Pflegenden.