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Gehirngesundheit

Gehirngesundheit

Was wir selbst für unsere Gehirngesundheit tun können, lässt sich gezielt beeinflussen!

Unser Gehirn verändert sich ein Leben lang – und damit auch das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Demenz. Neben Faktoren, die wir nicht beeinflussen können, etwa genetischen Voraussetzungen, gibt es viele Stellschrauben, an denen wir selbst ansetzen können. Eine Studie des Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) zeigt: Rund ein Drittel aller Demenzfälle in Deutschland hängt mit vermeidbaren Risikofaktoren zusammen. Bereits kleine, nachhaltige Veränderungen im Alltag können das persönliche Risiko, an Demenz zu erkranken, verringern. Dabei gilt: Es ist nie zu früh oder zu spät, etwas für die eigene Gehirngesundheit zu tun!

Gehirn fit halten – was bedeutet das eigentlich?

Gehirn fit halten - aber wie?

Gehirngesundheit bedeutet mehr als nur ein gutes Gedächtnis. Es geht darum, geistig leistungsfähig zu bleiben, Neues aufzunehmen und sich im Alltag gut zurechtzufinden – auch im höheren Alter. Dabei spielen sowohl Risikofaktoren als auch Schutzfaktoren eine Rolle: Einige Einflüsse können das Risiko für Erkrankungen erhöhen, andere stärken das Gehirn und helfen, Belastungen besser auszugleichen. Oft sind es zwei Seiten derselben Medaille – etwa Bewegungsmangel als Risiko und regelmäßige Bewegung als Schutz.

Eine wichtige Rolle spielt zudem die sogenannte „kognitive Reserve“. Sie beschreibt die Fähigkeit des Gehirns, Veränderungen oder Belastungen auszugleichen, und wird im Laufe des Lebens geprägt. Unser Gehirn bleibt anpassungsfähig: Wir können aktiv dazu beitragen, es möglichst lange gesund zu halten.

Viele dieser Zusammenhänge sind von der Lancet-Kommission von 2024 beschrieben, die zentrale beeinflussbare Risiko- und Schutzfaktoren für die Gehirngesundheit zusammenfasst.

Bewegung

Regelmäßige Bewegung gehört zu den wirkungsvollsten Möglichkeiten, die eigene Gehirngesundheit zu unterstützen. Studien zeigen, dass körperlich aktive Menschen ein geringeres Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Demenz haben – besonders im Vergleich zu Personen, die sich kaum bewegen. Eine Studie um Prof. Dr. Dr. Ahmad Aziz am DZNE Bonn zeigt: Es kommt nicht auf Höchstleistungen an. Schon kleine Verhaltensänderungen, wie etwa kurze tägliche Bewegungseinheiten oder mehr Aktivität im Alltag, können eine spürbar positive Wirkung auf das Gehirn haben.

Bewegung wirkt auf vielfältige Weise im Gehirn. Sie verbessert die Durchblutung, unterstützt den Stoffwechsel und fördert die Anpassungsfähigkeit von Nervenzellen. Körperliche Aktivität führt zu einem größeren Hirnvolumen, was wiederum einen besseren Schutz vor Neurodegeneration bietet.  Gleichzeitig kann Bewegung helfen, Stress abzubauen und die Konzentrationsfähigkeit zu steigern. Langfristig zeigt sich: Wer über Jahre hinweg körperlich aktiv bleibt, profitiert häufig von einer besseren geistigen Leistungsfähigkeit im Alter.

Empfohlen wird, sich mehrmals pro Woche moderat zu bewegen, etwa durch zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen. Auch Tanzen eignet sich gut: Es verbindet Bewegung mit Koordination, trainiert das Gedächtnis und fördert oft soziale Kontakte. Entscheidend ist weniger die Intensität als die Regelmäßigkeit. Neben Ausdauerbewegung ist auch moderates Krafttraining sinnvoll, da es den Stoffwechsel stabilisiert und die körperliche Selbstständigkeit fördert.

Tipps

• Integrieren Sie mehr Bewegung in Ihren Alltag: Nehmen Sie die Treppe statt des Aufzugs oder lassen Sie das Auto öfter stehen, um kurze Strecken zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückzulegen.

• Arbeiten Sie meist im Sitzen, stellen Sie sich einen stündlichen Mini-Reminder und bewegen Sie sich jede Stunde etwa zwei Minuten (z.B. kurz Treppen gehen, ein Wasserglas auffüllen o.ä.).

Eine Gruppe joggt durch den Wald

Ernährung & Gewicht

Auch Ernährung und Körpergewicht stehen in engem Zusammenhang mit der Gehirngesundheit. Studien zeigen, dass Übergewicht in der Lebensmitte mit einem erhöhten Risiko für neurodegenerative Erkrankungen verbunden ist. Schon kleine Veränderungen können hierbei einen Unterschied machen. Selbst eine moderate Gewichtsabnahme wurde in Studien mit Verbesserungen der geistigen Leistungsfähigkeit in Verbindung gebracht. 

Wie genau unterschiedliche Ernährungsweisen das Gehirn beeinflussen, ist wissenschaftlich noch nicht in allen Details geklärt. Dennoch zeigt sich ein klarer Trend: Eine insgesamt ausgewogene, pflanzenbetonte Ernährung wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus – und damit auch auf das Gehirn. Ernährungsweisen wie die mediterrane Ernährung setzen auf viel Gemüse, Obst, Nüsse, Vollkornprodukte, Fisch sowie Olivenöl, während stark verarbeitete Lebensmittel, Zucker, rotes Fleisch, Milchprodukte und gesättigte Fette reduziert werden. Auch am DZNE wurde 2021 eine Studie abgeschlossen, die darauf hindeutet, dass Menschen mit einer solchen Ernährungsweise ein geringeres Risiko für kognitive Einschränkungen haben.

Eine gute Nachricht für viele: Auch Kaffee könnte eine Rolle spielen. Eine große Langzeitstudie deutet darauf hin, dass moderater Konsum von koffeinhaltigem Kaffee oder Tee mit einem geringeren Demenzrisiko verbunden ist. Entscheidend scheint dabei das Koffein zu sein – entkoffeinierter Kaffee zeigte diesen Effekt nicht. Wichtig ist jedoch: Es handelt sich um einen statistischen Zusammenhang, keinen Beweis für eine direkte Schutzwirkung.

Tipps

• Es muss nicht immer Verzicht sein: Anstatt sich Ungesundes zu verbieten, entscheiden Sie sich einfach zusätzlich zu Ihrem normalen Abendessen für eine Extraportion Gemüse, Obst oder Nüsse.

• Probieren Sie diese Woche ein neues, gesundes Rezept aus – so verbinden Sie bewusste Ernährung mit dem positiven Effekt, Ihr Gehirn durch das Lernen von Neuem zu fördern.

Beispiel für mediterrane Ernährung

Geistige Anregung & Hobbies

Bildung in jungen Jahren hat einen langfristigen Einfluss auf die Gehirngesundheit. Studien zeigen, dass Menschen mit höherer Schulbildung ein geringeres Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Demenz haben. Entscheidend ist dabei nicht nur die Dauer der Bildung, sondern wie stark das Gehirn gefordert wurde.

Dieser Effekt lässt sich jedoch auch später im Leben weiter stärken. Geistige Anregung – ob im Beruf oder in der Freizeit – kann dazu beitragen, eine sogenannte kognitive Reserve aufzubauen. Diese hilft dem Gehirn, Veränderungen besser auszugleichen. Damit sind keine gezielten Gedächtnistrainings gemeint, sondern regelmäßige, abwechslungsreiche geistige Herausforderungen im Alltag.

Besonders wirksam sind Tätigkeiten, die das Gehirn vielseitig fordern. Dazu gehören auch feinmotorische Aktivitäten wie Zeichnen, Handarbeiten oder Gärtnern: Sie aktivieren mehrere Hirnareale gleichzeitig und fördern Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Koordination – darüber berichtet auch die ARD-Dokumentation „Mein Körper. Meine Hände. Wie sie unser Gehirn trainieren“.

Oft reichen schon kleine Veränderungen: Wer neue Wege ausprobiert, sich bewusst ungewohnten Situationen aussetzt oder Routinen durchbricht, fordert sein Gehirn ganz automatisch.

Tipps

• Wählen Sie bewusst neue Wege im Alltag – zum Beispiel eine andere Route zur Arbeit oder einen anderen Supermarkt, in dem Sie sich neu orientieren müssen.

• Das Lernen unbekannter Dinge fordert das Gehirn besonders: Lernen Sie die Regeln eines neuen Kartenspiels. Nutzen Sie eine neue App oder ein neues technisches Gerät. Bringen Sie sich eine Handarbeit wie Stricken bei. Erlernen Sie ein Musikinstrument oder eine Fremdsprache.

• Digitale Angebote, z.B. die App „NeuroNation“ können eine einfache Möglichkeit sein, regelmäßig geistig aktiv zu bleiben. Solche Trainings sollten nur eine Ergänzung sein und durch abwechslungsreiche, alltagsnahe geistige Aktivitäten ergänzt werden.

Handarbeit, Stricken

Rauchen

Rauchen gehört zu den klar belegten Risikofaktoren für neurodegenerative Erkrankungen wie Demenz. Studien zeigen, dass insbesondere Rauchen in der Lebensmitte das Risiko erhöht – vor allem, wenn über viele Jahre hinweg geraucht wird. Auch der Zeitpunkt spielt eine Rolle: Wer früh beginnt und langfristig raucht, trägt ein höheres Risiko. 

Gleichzeitig zeigt die Forschung, dass sich ein Rauchstopp lohnt. Ehemalige Raucherinnen und Raucher haben kein erhöhtes Demenzrisiko mehr im Vergleich zu Nichtrauchenden. Zudem profitieren Herz und Gefäße, die eng mit der Gehirngesundheit verbunden sind.

Rauchen ist damit ein klassischer Risikofaktor, den wir aktiv beeinflussen können. Wer den Ausstieg schafft, reduziert nicht nur das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs, sondern stärkt auch die langfristige Gesundheit des Gehirns.

Tipp

• Suchen Sie sich Unterstützung beim Aufhören mit Rauchen, zum Beispiel durch eine Beratungsstelle, eine App oder indem Sie Familie und Freunde einbeziehen.

Zigarette wird abgelehnt

Alkoholkonsum

Alkoholkonsum beeinflusst die Gehirngesundheit – entscheidend ist vor allem die Menge. Studien zeigen, dass ein dauerhaft hoher Konsum mit einem erhöhten Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Demenz verbunden ist. Auch Veränderungen im Gehirn, etwa ein Rückgang von grauer Substanz, werden häufiger beobachtet.

Die Studienlage ist differenziert: Während starker Alkoholkonsum klar als Risikofaktor gilt, wurden leichte bis moderate Mengen lange Zeit teils als unbedenklich oder sogar schützend diskutiert. Neuere große Analysen stellen diesen möglichen Schutzeffekt jedoch infrage. Sie deuten darauf hin, dass auch geringe Mengen Alkohol mit einem steigenden Risiko verbunden sein können und frühere Ergebnisse vermutlich durch Verzerrungen entstanden sind – etwa weil Menschen ihren Konsum bereits vor einer Demenzdiagnose reduzieren. 

Gut belegt ist: Wer seinen Alkoholkonsum reduziert, senkt sein Risiko im Vergleich zu dauerhaft hohem Konsum. Für Sie im Alltag bedeutet das vor allem, den eigenen Konsum im Blick zu behalten, vor allem aber übermäßigen Alkoholkonsum zu vermeiden. 

Tipps

• Verzichten Sie, wenn möglich, am besten ganz auf Alkohol. Wenigstens aber sollten Sie feste alkoholfreie Tage pro Woche festlegen, zum Beispiel unter der Woche, und diese bewusst einhalten.

• Ersetzen Sie Gewohnheiten, etwa das Feierabendbier, durch Alternativen wie alkoholfreies Bier, Tee oder ein anderes Ritual.

Alkohol wird abgelehnt

Herz-Kreislauf & Stoffwechsel

Die Gesundheit von Herz und Gefäßen spielt eine zentrale Rolle für das Gehirn. Faktoren wie Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte oder Diabetes stehen in engem Zusammenhang mit dem Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Demenz. Besonders eng ist der Zusammenhang mit der sogenannten vaskulären Demenz, die durch Gefäßschäden im Gehirn entsteht. Doch auch bei anderen Formen wie Alzheimer spielen Herz-Kreislauf- und Stoffwechselprozesse eine wichtige Rolle. Besonders entscheidend ist dabei die Lebensmitte: Werden diese Erkrankungen früh erkannt und behandelt, lässt sich das Risiko deutlich beeinflussen.

Ein wichtiger Hintergrund ist die Durchblutung: Das Gehirn ist auf eine stabile Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen angewiesen. Bluthochdruck oder erhöhte Blutfettwerte können die Gefäße schädigen und langfristig auch die Gehirnstruktur beeinflussen. Auch Diabetes wirkt sich auf den Stoffwechsel im Gehirn aus und kann Entzündungsprozesse fördern.

Studien zeigen zudem, dass mehrere dieser Faktoren häufig gemeinsam auftreten und in Kombination mit dem Demenzrisiko zusammenhängen. Je mehr davon günstig ausgeprägt sind, desto geringer ist in der Regel das Risiko. Umgekehrt gilt: Eine gute Kontrolle von Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin unterstützt nicht nur die Herzgesundheit, sondern auch die langfristige Leistungsfähigkeit des Gehirns.

Tipp

• Lassen Sie Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin regelmäßig bei Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin kontrollieren.

Blutdruckmessung

Sinnesgesundheit (Hören & Sehen)

Hören und Sehen spielen eine wichtige Rolle für die Gehirngesundheit. Studien zeigen, dass sowohl Hörverlust als auch Sehbeeinträchtigungen mit einem erhöhten Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Demenz verbunden sind – insbesondere, wenn sie unbehandelt bleiben und mit der Zeit zunehmen.

Als mögliche Ursachen werden unter anderem weniger soziale und kognitive Reize sowie ein erhöhter Verarbeitungsaufwand im Gehirn diskutiert.

Auch hier kann man als Betroffener konkret ansetzen. Hörgeräte können das Risiko für kognitiven Abbau verringern. Auch bei Sehproblemen zeigt sich: Werden sie behandelt, etwa durch passende Brillen oder Operationen, kann sich das positiv auswirken.

Sinnesgesundheit ist damit ein oft unterschätzter Schutzfaktor. Wer gut hört und sieht, bleibt eher aktiv, eingebunden und geistig gefordert.

Tipp

• Lassen Sie Ihr Gehör und Ihre Sehkraft regelmäßig überprüfen und nutzen Sie bei Bedarf konsequent Hörgeräte oder eine passende Brille.

Mann setzt Hörgerät ein

Darmgesundheit

Die Bedeutung der Darmgesundheit für das Gehirn wird zunehmend wissenschaftlich untersucht. Das Mikrobiom – die Gesamtheit der Darmbakterien – umfasst Billionen von Mikroorganismen, die an der Verdauung beteiligt sind, Vitamine produzieren und das Immunsystem beeinflussen. Ein vielfältiges und ausgewogenes Mikrobiom gilt als wichtig für die allgemeine Gesundheit. Es steht in einer Wechselbeziehung zum Gehirn, etwa über das Immunsystem und Stoffwechselprozesse. Studien zeigen, dass sich die Zusammensetzung des Mikrobioms bei Alzheimer und Parkinson verändert und möglicherweise an Krankheitsprozessen beteiligt ist. Ob diese Veränderungen Ursache oder Folge sind, ist noch nicht abschließend geklärt. Klar ist jedoch: Neben genetischen Faktoren können die Ernährung sowie bestimmte Medikamente die Darmflora beeinflussen.

Tipp

• Eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Gemüse, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten unterstützt ein vielfältiges Mikrobiom. Fermentierte Lebensmittel wie Joghurt, Sauerkraut oder Kefir können zusätzlich günstige Bakterien liefern. Antibiotika und andere Medikamente sollten nur nach ärztlicher Rücksprache und wenn medizinisch notwendig eingenommen werden, da sie die Darmflora vorübergehend beeinträchtigen können.

Probiotische Bakterien

Impfung: Gürtelrose

Zunehmend rückt auch der Zusammenhang zwischen Infektionen und Gehirngesundheit in den Fokus der Forschung. Besonders interessant sind aktuelle Studien zur Gürtelrose-Impfung: Daten aus mehreren Ländern zeigen, dass geimpfte Personen seltener an Demenz erkranken als ungeimpfte. In einer großen Analyse war das Risiko um rund 20 Prozent reduziert.

Warum das so ist, wird noch erforscht. Eine mögliche Erklärung: Infektionen könnten das Gehirn langfristig belasten oder Entzündungsprozesse auslösen. Impfungen könnten diesen Einfluss verringern oder das Immunsystem insgesamt stärken. Auch wenn noch nicht alle Mechanismen geklärt sind, gelten Impfungen bereits heute als wichtiger Bestandteil der allgemeinen Gesundheitsvorsorge. Gerade die Gürtelroseimpfung hat mögliche positive Effekte für das Gehirn.

Tipp

• Lassen Sie sich ab 60 Jahren bei Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin zu einer Gürtelroseimpfung beraten.

Impfung / Pflaster auf Oberarm
Silhouette vor Vorhang

Psychische Gesundheit: Depressionen

Depressionen gehören zu den Faktoren, die mit einem erhöhten Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Demenz in Verbindung stehen. Studien zeigen, dass Menschen mit Depression im Vergleich zu nicht betroffenen Personen deutlich häufiger später eine Demenz entwickeln. Dieser Zusammenhang zeigt sich über verschiedene Altersphasen hinweg, besonders relevant ist jedoch die Lebensmitte. Gleichzeitig ist wichtig zu wissen: Depression kann sowohl ein Risikofaktor als auch ein frühes Anzeichen einer beginnenden Erkrankung sein.

Die genauen Mechanismen sind noch nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden unter anderem Veränderungen im Hormonhaushalt, entzündliche Prozesse sowie indirekte Effekte wie weniger soziale Kontakte oder geringere Selbstfürsorge.

Eine Behandlung – etwa durch Psychotherapie, Medikamente oder eine Kombination aus beidem – verbessert nicht nur die Lebensqualität, sondern kann auch mit einem geringeren Demenzrisiko verbunden sein. 

Psychische Gesundheit ist damit ein wichtiger Bestandteil der Gehirngesundheit. Wer Anzeichen einer Depression frühzeitig ernst nimmt und sich Unterstützung sucht, kann aktiv etwas für sich und sein Gehirn tun. Eine gesunde Lebensweise, insbesondere regelmäßige körperliche Aktivität, kann zusätzlich positive Effekte auf depressive Symptome haben.

Soziale Interaktion

Soziale Kontakte sind ein wichtiger Faktor für die Gehirngesundheit. Studien zeigen, dass Menschen mit wenig sozialem Austausch oder starker Isolation ein erhöhtes Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Demenz haben.

Auch das subjektive Gefühl von Einsamkeit spielt dabei eine Rolle. Umgekehrt kann regelmäßiger Austausch das Gehirn aktiv halten und zur sogenannten kognitiven Reserve beitragen.

Mögliche Erklärungen liegen in der geistigen Anregung durch Gespräche sowie positiven Effekten auf Verhalten, Stress und allgemeine Gesundheit. Auch wenn nicht jede Studie eindeutige Effekte zeigt, spricht vieles dafür, soziale Kontakte bewusst zu pflegen. Wer im Austausch bleibt, unterstützt damit nicht nur sein Wohlbefinden, sondern auch die langfristige Gesundheit des Gehirns.

Tipps

• Verabreden Sie sich jede Woche zu einem festen Termin, zum Beispiel immer mittwochs zum Spaziergang oder sonntags zum gemeinsamen Kaffee.

• Rufen Sie eine Person an, zu der Sie länger keinen Kontakt hatten, und vereinbaren Sie direkt ein konkretes Wiedersehen.

• Treffen Sie sich mit Mitmenschen zum Spielen. Gesellschaftsspiele und Kartenspiele sorgen nicht nur für Zerstreuung, sondern regen auch das Gehirn an.

Gruppe spielt ein Brettspiel

Schutz vor Hirnverletzungen

Auch Verletzungen des Gehirns können das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Demenz erhöhen. Studien zeigen, dass bereits eine einzelne stärkere Hirnverletzung das Risiko deutlich steigern kann, insbesondere wenn sie in jüngeren Jahren auftritt oder wiederholt vorkommt.

Ein möglicher Grund: Durch Verletzungen können langfristige Veränderungen im Gehirn entstehen, etwa durch Entzündungsprozesse oder Schäden an Nervenzellen. Besonders relevant sind dabei Unfälle, Stürze oder wiederholte Kopfstöße, wie sie in manchen Sportarten vorkommen.

Umso wichtiger ist es, das Risiko für solche Verletzungen im Alltag möglichst gering zu halten – etwa durch sicheres Verhalten im Straßenverkehr und einen bewussten Umgang mit Sturzrisiken.

Tipp

• Tragen Sie beim Fahrradfahren oder anderen Sportarten einen gut sitzenden Helm.

Fahrradhelm an Lenker

Umweltfaktoren: Luftverschmutzung & Mikroplastik

Neben Lebensstilfaktoren spielen auch Umweltfaktoren eine Rolle. Studien zeigen, dass eine höhere Belastung mit Feinstaub mit einem erhöhten Demenzrisiko verbunden ist. Erste Untersuchungen zeigen außerdem, dass sich Mikro- und Nanoplastik im menschlichen Gehirn anreichern kann und bei Menschen mit Demenz in höheren Konzentrationen gefunden wurde. Ob hier ein ursächlicher Zusammenhang besteht, ist jedoch noch nicht geklärt. Diese Faktoren lassen sich individuell nur begrenzt beeinflussen – umso wichtiger ist es, die beeinflussbaren Bereiche gezielt zu nutzen.

FAQ: Häufige Fragen und kurze Antworten zu Gehirngesundheit

Kann ich Demenz wirklich vorbeugen?

Demenz lässt sich nicht sicher verhindern, jedoch sind zahlreiche Risikofaktoren beeinflussbar. Eine Studie des DZNE zeigt, dass etwa ein Drittel aller Demenzfälle in Deutschland durch beeinflussbare Faktoren verhindert werden könnten.

Was bringt es, wenn ich erst in höherem Alter mit der Prävention beginne?

Studien belegen, dass auch im höheren Alter Veränderungen des Lebensstils mit positiven Effekten auf die kognitive Gesundheit verbunden sein können. Prävention bleibt somit auch im Alter effektiv.

Wie viel Bewegung ist genug?

Bereits moderate körperliche Aktivität im Alltag kann sich positiv auf die Gehirngesundheit auswirken. Entscheidend ist eine regelmäßige Bewegung, nicht hohe Intensität.

Welche Ernährung ist gut fürs Gehirn?

Eine Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Fisch und gesunden Fetten wird mit einem geringeren Demenzrisiko in Verbindung gebracht. 

Gibt es „Superfoods“ fürs Gehirn?

Einzelne Lebensmittel mit nachgewiesenem Schutzeffekt gibt es nicht. Entscheidend ist eine insgesamt ausgewogene, überwiegend pflanzenbasierte Ernährung.

Welche Rolle spielt der Darm für die Gehirngesundheit?

Das Darmmikrobiom steht in einer Wechselbeziehung mit dem Gehirn und beeinflusst unter anderem Immun- und Stoffwechselprozesse. Studien deuten darauf hin, dass Veränderungen der Darmflora mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson in Zusammenhang stehen.

Wie wirkt sich Alkohol auf das Gehirn aus?

Ein hoher Alkoholkonsum ist mit einem erhöhten Demenzrisiko verbunden. Neuere Studien deuten darauf hin, dass es keine sichere Konsummenge für die Gehirngesundheit gibt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, ganz auf Alkohol zu verzichten.

Was bringt es, mit dem Rauchen aufzuhören?

Rauchen erhöht das Demenzrisiko, insbesondere ab der Lebensmitte. Ein Rauchstopp dagegen kann das persönliche Demenzrisiko senken.

Warum sind Hören und Sehen wichtig?

Unbehandelte Hör- und Sehbeeinträchtigungen sind mit einem erhöhten Demenzrisiko assoziiert. Bei Bedarf ein Hörgerät oder eine Brille zu tragen, kann dazu beitragen, dieses Risiko zu reduzieren.

Welche Rolle spielt soziale Aktivität für das Gehirn?

Geringe soziale Kontakte und Einsamkeit stehen mit einem erhöhten Demenzrisiko in Zusammenhang. Regelmäßige soziale Interaktion kann schützend wirken.

Ist Gehirntraining mit Apps sinnvoll?

Computerbasierte Trainings können kurzfristig einzelne kognitive Fähigkeiten verbessern. Für die langfristige Gehirngesundheit sind jedoch alltagsnahe, vielfältige geistige Aktivitäten relevanter.

Warum ist Herzgesundheit wichtig fürs Gehirn?

Gefäßerkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes erhöhen das Risiko für Demenz. Eine gute kardiovaskuläre Gesundheit unterstützt daher auch die Gehirnfunktion.

Spielt die psychische Gesundheit für das Demenzrisiko eine Rolle?

Depressionen sind mit einem erhöhten Demenzrisiko verbunden. Studien deuten darauf hin, dass eine Behandlung das Risiko reduzieren kann.

Können Impfungen das Demenzrisiko beeinflussen?

Erste Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen bestimmten Impfungen, etwa gegen Gürtelrose, und einem geringeren Demenzrisiko. Die zugrunde liegenden Mechanismen sind jedoch noch nicht abschließend geklärt.

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