Aktionen
Im Bademantel auf dem Deich? Bremerhaven setzt Zeichen gegen Demenz!
Der Bremerhavener Topf ist die zentrale Kontakthilfe für Selbsthilfe in Bremerhaven. Der Verein unterstützt Menschen dabei, passende Selbsthilfegruppen zu finden und neue Gruppen zu gründen. Gleichzeitig macht er durch intensive Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit auf die Bedeutung der Selbsthilfe aufmerksam, die heute als vierte Säule des Gesundheitssystems gilt.
Mit einer besonderen Aktion engagiert sich der Verein derzeit für Menschen mit Demenz – und sammelt gleichzeitig Spenden für die Forschung am DZNE. Ausgangspunkt ist die Bademantel-Challenge, die 2023 vom DZNE ins Leben gerufen wurde. Der Bademantel steht dabei symbolisch für Momente des Vergessens und der Orientierungslosigkeit. Teilnehmende posten Fotos im Bademantel und setzen damit ein Zeichen der Solidarität mit Menschen, die mit Demenz leben. Bereits bei ihrem Start 2023 erreichte die Aktion große Aufmerksamkeit: Über Medienberichte wurden damals mehr als 100 Millionen Menschen darauf aufmerksam.
Nun wird die Idee auch 2026 in Bremerhaven aufgegriffen: Dort haben sich schnell viele bereitwillige Unterstützerinnen und Unterstützer gefunden. Der Bremerhavener Topf ruft dazu auf, sich zu beteiligen, Fotos zu teilen und Spenden für die Demenzforschung zu sammeln. Wir haben mit Andrea von Harten, Geschäftsführerin beim Bremerhavener Topf, darüber gesprochen, wie diese Initiative entstanden ist und was sie in der Stadt bewegt.
V.l.n.r.: Marita Fischer (Demenz Selbsthilfe Bremerhaven), Andrea von Harten (Geschäftsführerin Bremerhavener Topf), Adrian Breitlauch (Basketballer bei den Eisbären Bremerhaven). Foto: Lothar Scheschonka/Nordsee-Zeitung.
Frau von Harten, wie entstand die Idee, die Bademantel-Challenge nach Bremerhaven zu holen?
Ich habe auf Facebook einen Beitrag von Ilka Bessin zur Bademantel-Challenge gesehen und dachte sofort: Das machen wir auch! Die Aktion ist auffällig und erreicht viele Menschen. Gleichzeitig passt sie sehr gut zum Thema Demenz, über das noch immer zu wenig gesprochen wird. Uns war wichtig, Aufmerksamkeit zu schaffen und gleichzeitig etwas Positives daraus entstehen zu lassen – Unterstützung für Betroffene, Angehörige und die Forschung.
Am 9. März findet eine besondere Aktion am Deich statt.
Wir haben über die lokale Presse dazu aufgerufen, dass möglichst viele Menschen im Bademantel zum Deich kommen. Gemeinsam wollen wir Fotos machen und damit ein sichtbares Zeichen setzen. Außerdem werden wir Spieler der Basketballmannschaft Bremerhavener Eisbären, der Eishockeymannschaft Fischtown Pinguins Bremerhaven und das Förderwerk Bremerhaven nominieren, ebenfalls an der Challenge teilzunehmen. Die Bilder werden anschließend über die sozialen Medien weiterverbreitet.
Wie ist die Resonanz in der Stadt bisher?
Die Resonanz ist wirklich großartig. Schnell haben sich Organisationen und Unternehmen der Region gemeldet, die mitmachen möchten. Zum Beispiel wird die Demenzhilfe Cuxhaven ebenfalls mitmachen. Es ist schön zu sehen, wie viele sich angesprochen fühlen und die Idee weitertragen.
Ein weiterer Höhepunkt folgt am 22. März beim Spiel der Bremerhavener Eisbären. Was ist dort geplant?
Die Eisbären stellen ihr Spiel an diesem Tag unter das Motto Demenz und rufen ihre Fans dazu auf, im Bademantel zu erscheinen. Der Bremerhavener Topf und die Demenz-Selbsthilfegruppe wird vor Ort sein, einen Infostand betreuen und Spenden für die Forschung sammeln. Besucherinnen und Besucher können dort auch kleine Aufgaben ausprobieren, die zeigen, wie sich Alltagssituationen aus der Perspektive eines Menschen mit Demenz anfühlen können.
Mit wem haben Sie die Aktion gestartet und wer unterstützt Sie dabei?
Die Idee haben Marita Fischer und ich gemeinsam aufgegriffen und weiterentwickelt. Sie leitet die Bremerhavener Selbsthilfegruppe für Angehörige von Menschen mit Demenz und hat ihre Eltern lange begleitet, die beide erkrankt waren. Deshalb liegt ihr das Thema besonders am Herzen.
Große Unterstützung bekommen wir auch von Adrian Breitlauch, dem Kapitän der Bremerhavener Eisbären. Ohne sein Engagement wäre die Aktion wahrscheinlich nicht so groß geworden.
Was wünschen Sie sich von der Aktion?
Unser Ziel ist vor allem, Solidarität in Bremerhaven zu zeigen – mit den Menschen, die an Demenz erkrankt sind, und mit ihren Angehörigen. Gleichzeitig möchten wir darauf aufmerksam machen, welche wichtige Rolle Selbsthilfe spielt. Neben den Angeboten im Gesundheitssystem gibt es viele Möglichkeiten, sich gegenseitig zu unterstützen. Und natürlich hoffen wir, dass wir auch Spenden für die Forschung sammeln können. Denn Fortschritte in der Forschung sind entscheidend für die Zukunft.
Medienberichte (Auswahl):
Nordsee-Zeitung | Bademantel-Challenge am Deich: Aktion macht auf Demenz aufmerksam | 6. März 2026
buten un binnen | regionalmagazin vom 9. März 2026
Nordsee-Zeitung | So viele Bademäntel wie nie am Bremerhavener Deich: Aktion ein Erfolg | 10. März 2026
Vergangene Aktionen
September 2025: Zwischen Ufern, zwischen Erinnern und Vergessen – ein Projekt für Demenz-Betroffene
Am 20. September 2025, in der Woche der Demenz, schwamm Verena Röck über den Bodensee. Hinter sich zog sie ein Schlauchboot mit 40kg Steinen von einem Ufer zum anderen.
Für ihr Demenz-Awareness-Projekt erreichte Verena Röck nicht nur eine beachtliche Leistung von 2,18 km in 42min – sie rief auch zu Spenden auf. 680 Euro kamen dabei zusammen.
RegioTV hat das Projekt mit der Kamera begleitet - sehen Sie sich den Bericht hier an.
Vor dem Projekt hat sie uns im Interview erzählt, was es mit „Zwischen Ufern“ auf sich hat und wer sie dazu inspiriert hat.
Verena Röck ist beruflich im Bereich der humanitären Hilfe tätig. Nach drei Jahren Arbeit im Flüchtlingslager Moria in Griechenland ist sie für einen neuen Job an den Bodensee gezogen, um internationale Hilfsprojekte weltweit zu begleiten. Ihr christlicher Glaube und ihre Überzeugung, dass wir für mehr als nur uns selbst leben sollten, motiviert sie sowohl in beruflichen als auch in privaten Bereichen.
Verena, während der Woche der Demenz findet dein Projekt „Zwischen Ufern“ statt. Mit einem Boot voller Steine, die mit schönen Erinnerungen und herausfordernden Lasten beschriftet sind, wirst du von Überlingen nach Dingelsdorf über den Bodensee schwimmen – warum?
Zum einen, weil wir unsere Wünsche manchmal nicht ernst genug nehmen, bis wir sie uns nicht mehr erfüllen können. Zum anderen, weil ich einen Mehrwert schaffen will: Das Projekt soll symbolisch für die Last stehen, die nicht nur Betroffene, sondern auch Angehörige und Freunde von demenzkranken Menschen tragen. Gleichzeitig soll „Zwischen Ufern“ für die Bewegung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen schwerer Realität und liebevollem Erinnern, zwischen Liebe und Last stehen – jenem emotionalen Spannungsfeld, in dem sich Angehörige von Demenzerkrankten oft bewegen. Mit dem Projekt möchte ich Verbundenheit zwischen Betroffenen stärken, Aufmerksamkeit für Demenzkrankheiten schaffen und Spenden für die Erforschung dieser Krankheiten sammeln.
Wie kamst du auf die Idee für das Projekt?
In meiner Freizeit bin ich viel geschwommen und wollte mit den gesammelten Kilometern einen sinnvollen Beitrag für andere leisten. Wieso also nicht von einer Seeseite zur anderen schwimmen? Ich erinnerte mich, dass ich als Kind mit meiner Oma am Ufer in Überlingen mit Blick nach Dingelsdorf stand und sie mir davon erzählte, irgendwann auf die andere Seeseite schwimmen zu wollen. Den Wunsch hat sie sich leider nicht erfüllt. Sie wurde vor einiger Zeit mit Demenz diagnostiziert und lebt seit Dezember 2024 im Pflegeheim. Ich habe beschlossen, diese Distanz all denjenigen zu widmen, die unter dieser Krankheit leiden – ob Betroffene oder Angehörige. Jeder trägt Lasten in Verbindung mit dieser Krankheit.
Wie können andere Angehörige an „Zwischen Ufern“ teilhaben?
Die Steine in dem Schlauchboot werden mit Geschichten beschriftet, die Menschen mit mir teilen können. Auf der einen Seite eine Last, auf der anderen eine schöne Erinnerung in Verbindung mit einem Menschen, der an Demenz erkrankt ist. Jeder kann mir seine Geschichten per E-Mail an zwischen.ufern@gmail.com schicken. Natürlich werden die Informationen vertraulich behandelt und nicht mit der Person in Verbindung gebracht. Ich werde demjenigen auch ein Foto von seinem Stein per E-Mail zukommen lassen, welcher am Tag der Überquerung im Schlauchboot liegen wird. Natürlich kann jeder auch Teil sein, indem er Menschen von der Aktion berichtet. Ich hoffe, dass sich dadurch tiefe und berührende Gespräche ergeben und Menschen ihre Lasten miteinander teilen und gegenseitig tragen können.
Über dein Projekt hinaus: Wie können Interessierte die Erforschung von Demenzkrankheiten unterstützen?
Das DZNE erforscht neurodegenerative Erkrankungen und entwickelt Therapien. Wer die Forschung an frühzeitiger Diagnose und neuen Therapieansätzen für Demenz unterstützen möchte, kann an die DZNE-Stiftung unter dem Verwendungszweck „Zwischen Ufern – Aktion Verena Röck“ spenden. Wir denken oftmals, dass kleine Beiträge nicht viel nutzen. Die Wahrheit ist, dass viele kleine Beiträge genauso wirken wie ein großer. Letztendlich kommt es darauf an, dass wir gemeinsam unterstützen und damit etwas bewirken. Jeder so, wie er kann und möchte.
2024: Social-Media-Kampagne zum Weltalzheimertag
Der Clip ist seit dem 16.09.2024 auf Instagram zu finden. Hier gelangen Sie zum Video. Das Video hat bis jetzt mehr als 2 Millionen Aufrufe erreicht! Unsere Botschafterin Sabine Vitua spricht die Stimme aus dem Off.