DZNE-Stiftung und ihre Stiftungsfonds fördern 2026 mit fast 430.000 Euro neue Projekte am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE)
Dank privater Spenden aus der Bevölkerung sind neun zusätzliche Forschungsvorhaben am DZNE in diesem Jahr ermöglicht worden. Mit fast 420.000 EUR fördert die DZNE-Stiftung im kommenden Jahr Forschungsprojekte am DZNE und stellt promovierten Nachwuchsforschenden 10.000 EUR als Reisekostenzuschuss für den Besuch von wissenschaftlichen Symposien zur Verfügung.
Wir danken allen Menschen, mit deren Spenden in 2026 neue Forschungsvorhaben am DZNE möglich werden!
Bridging Support: Die DZNE-Stiftung fängt wegfallende US-Forschungsgelder auf
Die National Institutes of Health (NIH), die wichtigste US-Forschungsförderung, haben 2025 ihre Unterstützung für ausländische Forschungspartner stark eingeschränkt – auch bei Projekten, die für das Verständnis neurodegenerativer Erkrankungen entscheidend sind. Die Mittel für das Projekt von Prof. Dr. Martin Reuter vom DZNE Bonn fielen abrupt weg. Die DZNE-Stiftung übernimmt mit einer Förderung von 99.941 Euro eine entscheidende Brückenfunktion: Prof. Reuter kann sein Projekt in den kommenden Jahren fortsetzen, damit diese wegweisende KI-Forschung mit Partnern der Harvard Medical School und der University of Rochester nicht zum Stillstand kommt. Er entwickelt KI-Methoden zur präzisen Analyse des Plexus choroideus (einer Gewebestruktur, die Gehirnflüssigkeit produziert und wichtige Reinigungsprozesse steuert) in MRT-Daten, um neue Biomarker für Alzheimer, Parkinson und ALS zu erschließen.
199.000 EUR aus dem Karin Christiane Conradi-Stiftungsfonds für zwei ALS-Forschungsprojekte
Aus dem 2021 gegründeten Karin Christiane Conradi-Stiftungsfonds werden in 2026 ebenfalls weitere ALS-Forschungen finanziert:
Dr. David Brenner und Prof. Dr. Jochen Weishaupt vom DZNE Ulm erhalten 100.000 Euro für die Prüfung bereits zugelassener Wirkstoffe als mögliche neue Therapieoptionen für ALS. Im Mittelpunkt steht das Schlüsselgen TBK1, dessen verringerte Aktivität Autophagie-Prozesse stört – ein zentraler Krankheitsmechanismus bei ALS. Das Team testet Substanzen, die TBK1 aktivieren und dadurch die zelluläre Reinigung verbessern. Da die Wirkstoffe schon zugelassen sind, könnten erfolgversprechende Ansätze besonders schnell in klinische Studien überführt werden.
Die ALS-Erkrankung verläuft sehr unterschiedlich – vermutlich ein Grund, warum neue Therapien bisher scheiterten. Das mit 99.000 € geförderte Projekt von Prof. Dr. Andreas Hermann (DZNE Rostock) und Dr. Dr. Nasir Ahmad Aziz (DZNE Bonn) untersucht, ob nur bestimmte ALS-Patienten mit Erbgutelementen in Zusammenhang stehen, die sich im Genom bewegen können (sogenannte Transposons). Außerdem prüfen die Forschenden, ob bei diesen Patienten zugleich Abwehrsignale des Immunsystems auffällig stark aktiviert sind. Durch den Vergleich mit gesunden älteren Menschen und Alzheimer-Patienten sollen jene Gruppen erkannt werden, die gezielt von bereits verfügbaren Medikamenten profitieren könnten. So könnten wirksame Therapien endlich genau dort ankommen, wo sie tatsächlich helfen.
50.000 Euro für „RAPiD-4Tau“ – Prototyp könnte Tests für Alzheimer- sowie FTLD-Wirkstoffe ermöglichen
Ashutosh Dhingra (AG Gasser, DZNE Tübingen) erhält 50.000 Euro für das Technologietransfer-Projekt „RAPiD-4Tau“. Dabei geht es um eine entscheidende Lücke: Das krankheitsrelevante 4R-Tau-Protein konnte bislang nicht künstlich nachgebildet werden – ein großes Hindernis für die Forschung. „RAPiD-4Tau“ will genau das erstmals ermöglichen. Der entstehende Prototyp verbindet Stammzelltechnologie mit datenbasierter Analyse und schafft damit ein Modell, an dem künftig Wirkstoffe gegen Alzheimer und FTLD getestet werden können.
30.000 Euro für ein gemeinsames Studienportal der Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung (DZG) in der Helmholtz-Gemeinschaft
Das neue DZG-Studienportal erleichtert es Menschen mit einer neurodegenerativen Erkrankung, passende klinische Studien zu finden – ein zentraler Schritt, um die Rekrutierung für klinische Studien zu beschleunigen und neue Therapien schneller in die breite Versorgung zu bringen. Entwickelt wird es gemeinsam mit der DZG-Arbeitsgruppe Patientenbeteiligung und dem DZNE-Patientenbeirat, der aktiv Anforderungen wie Verständlichkeit und einfache Navigation mitgestaltet. Die Projektleitung liegt bei Dr. Astrid Glaser vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung, das wie das DZNE zu den Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung zählt.
40.000 EUR für die Förderung von Nachwuchswissenschaftlerinnen aus dem "Innovative Minds Program"
Zwei Nachwuchswissenschaftlerinnen erhalten aus dem "Innovative Minds Program" der DZNE-Stiftung eine Förderung von jeweils 20.000 Euro.
Diese Gelder ermöglichen ihnen die Umsetzung ihrer innovativen Projektideen:
Dr. Eva Szegö (AG Schneider, DZNE Bonn) untersucht, warum Menschen mit seltenen Blutkrebserkrankungen (MPNs) häufig Gedächtnisprobleme entwickeln. Genveränderungen bei MPNs können das Gehirn beeinträchtigen und das Demenzrisiko steigern. Mit einem realitätsnahen Forschungsmodell geht Dr. Szegö den Ursachen dieser Hirnveränderungen nach. Die Ergebnisse könnten neue Behandlungswege eröffnen – und auch für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson von Bedeutung sein.
Dr. Selin Kenet (AG Krabbe, DZNE Bonn) untersucht, wie das Altern die Amygdala verändert – jene Gehirnregion, die Angst und Emotionen steuert. Im Mittelpunkt stehen nicht nur Nervenzellen, sondern vor allem ihre Wechselwirkungen mit Gliazellen, die im Alter an Funktion verlieren. Mit modernen Bildgebungstechniken analysiert Dr. Kenet, wie diese Veränderungen mit angstbezogenem Verhalten zusammenhängen. So soll die Forschung zeigen, wie das biologische Altern das Gehirn umbaut und Ansatzpunkte zum Schutz der geistigen Gesundheit eröffnen.
Internationale ALS-Vortragsreihe am DZNE Bonn
Mit 10.000 Euro unterstützt die DZNE-Stiftung Dr. Patrick Weydt beim Aufbau einer neuen internationalen ALS-Lecture-Serie in Bonn. Ein- bis zweimal jährlich werden führende Expertinnen und Experten eingeladen, mehrere Tage vor Ort zu sein, eine öffentliche Vorlesung zu halten und mit Forschungsgruppen sowie jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ins Gespräch zu kommen. Das Format stärkt Austausch, Nachwuchsförderung und internationale Vernetzung und soll Bonn langfristig als wichtigen Standort der ALS-Forschung etablieren.
Reisestipendien
Die Präsentation eigener Forschungsergebnisse und der fachliche Austausch auf wissenschaftlichen Konferenzen sind für Nachwuchswissenschaftler entscheidend, um ihr berufliches Netzwerk auszubauen und neue Kooperationen anzustoßen. Daher unterstützt die DZNE-Stiftung erneut Reisestipendien für Doktorandinnen, Doktoranden und Postdocs, deren Reisekosten nicht über Haushaltsmittel des DZNE abgedeckt werden können. Insgesamt stehen hierfür 10.000 Euro zur Verfügung.
Bereits früher im Jahr 2025 beschlossen und weiterhin laufend:
150.000 EUR aus dem Stiftungsfonds Deutsche Demenzhilfe für neue Wege bei der Behandlung von Alzheimer
Für die Dauer von maximal 2 Jahren wird Dr. Róisín McManus (DZNE Bonn) zusammen mit Dr. Deborah Kronenberg-Versteeg (DZNE Tübingen) die Rolle der durch Mikroglia vermittelten Entzündung beim Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit untersuchen. Sie haben kürzlich herausgefunden, dass Mikroglia ihre Stoffwechselaktivität bei Immunaktivierung schnell ändern und dass die dabei entstehenden Stoffwechselprodukte einen wichtigen Einfluss auf die Zellfunktion haben. Ziel dieses interdisziplinären Projekts ist es, diesen Mechanismus im Detail zu untersuchen, um dadurch neue therapeutische Ziele zu identifizieren, die das Fortschreiten von Alzheimer und Demenz verhindern können.
150.000 EUR aus dem Stiftungsfonds Deutsche Demenzhilfe für neuen Data-Science-Ansatz zur Optimierung von klinischen Studien
Im MOSAIC-Projekt untersucht Dr. Matthias Becker (DZNE Bonn), wie Daten aus großen, existierenden Studien genutzt werden können, um spezialisiertere Studien anzureichern und zu vervollständigen. Klinische Alzheimer-Studien erfassen viele Parameter am Patienten, häufig jedoch unvollständig, wodurch Verfahren des maschinellen Lernens (ML), z.B. Modelle zur Diagnostik, weniger effizient werden. Becker und sein Team wollen dabei den Nutzen einzelne Parameter für die Leistung und Präzision ihrer ML-Modelle bewerten und in den nächsten zwei Jahren eine Infrastruktur für schnellere, genauere und günstigere Studien entwickeln.
So treffen wir Entscheidungen
Um sicherzustellen, dass Spendengelder dort ankommen, wo sie die größte Wirkung entfalten, vergibt die DZNE-Stiftung ihre Fördermittel in einem transparenten, wettbewerbsorientierten Verfahren. Jedes Jahr veröffentlicht die Stiftung mehrere themenbezogene Ausschreibungen, auf die sich Forschende aller DZNE-Standorte bewerben können. Namhafte nationale und internationale Gutachterinnen und Gutachter bewerten die eingegangenen Projektanträge und empfehlen dem Stiftungskuratorium nach klar definierten Kriterien die besten zur Förderung. Auf dieser Basis entscheidet das Kuratorium der DZNE-Stiftung über die konkrete Vergabe der Fördermittel.